Villa de Leyva – Kolonialstädtchen mit Bergpanorama

In Villa de Leyva findet man sich auf 2140 Metern Höhe zwischen hübsch restaurierten, weißgetünchten Häusern mit Ziegeldächern auf sorgfältig gepflasterten Wegen wieder. Hier zeigt sich Kolonialarchitektur von ihrer gepflegtesten Seite. Die weitestgehend einstöckigen Häuser rund um den großen Plaza Mayor wurden 1954 unter Denkmalschutz gestellt und sind daher gut erhalten.

Moderne Architektur sucht man in Villa de Leyva hingegen vergebens. Typische dunkle Fenster und kleine Holzbalkone, bewachsen mit leuchtenden Bougainvillea-Ranken machen viele der weißen Häuschen zu schönen Fotomotiven. Hier spürt man noch das Ambiente der kolonialen Zeit, in der das Städtchen 1572 gegründet wurde. Benannt ist es nach Andrés Díaz Venero de Leyva, dem ersten Präsidenten des spanischen Vizekönigreiches Neugranada in Südamerika.

Die Iglesia Nuestra Señora del Carmen ist die größte Kirche in Villa de Leyva.

Auch kleine Straßenstände und fliegende Händler gibt es in der Stadt kaum. Ein bisschen fehlen sie, nachdem es in vielen anderen Städten so bunt und trubelig auf den Straßen zugeht. Aber Villa de Leyva hat eine ganz eigene, elegantere Atmosphäre, als die meisten Städte in Kolumbien.

Viele der reichen Bewohner des nur vier Stunden entfernten Bogotás haben außerhalb des Stadtzentrums eine schöne (und große) weiße Finca als Wochenend- oder Ferienhaus. Denn Villa de Leyva ist nicht nur für Touristen ein beliebtes Reiseziel, sondern auch für die Kolumbianer. Am Wochenende kann es daher sehr voll werden in dem kleinen Städtchen.

Einen Ausflug zur „kleinen Hölle“ machen

Die richtigen Zeiten für den Anbau von Getreide und anderen Nutzpflanzen konnten unsere Vorfahren mittels Steinkalender bereits recht genau bestimmen. Gut erhalten ist die Estación Astronómica Muisca nahe Villa de Leyva. Zwei Steinreihen orientieren sich hier von Osten nach Westen. Ihr Schattenwurf gab Auskunft über die Länge von Tag (Sonne) und Nacht (Mond) und damit auch den Wechsel der Jahreszeiten.

Von den Spaniern wurde dieser heilige Ort der Indigenas (Eingeborenen) auch El Infernito (Kleine Hölle) genannt, um sie von dem Frevel des ihnen eigenen Glaubens auf der einen und Gottesfurcht auf der anderen Seite zu überzeugen.

Ebenfalls ausgestellt sind rund 30 Fallus-Symbole in Stein, die Fruchtbarkeit und die menschliche Sexualität repräsentieren. Die Kultobjekte, die auch für Stärke und spirituelle Werte stehen, wurden für religiöse Rituale der Muisca verwendet.

In die Urzeiten zurückkehren

Die Umgebung von Villa de Leyva ist voller archäologischer Überreste, viele davon noch wesentlich älter als die indigenen Völker, die das Land einst besiedelten. Die Region war ehemals ein Meer, daher gibt es im Museo Paleontológico zahlreiche versteinerte Überreste von Tieren und Pflanzen zu bestaunen. El Fósil, das über 110 Millionen Jahre alte Skelett eines Baby-Kronosaurus, kann man sich ein paar Kilometer weiter ansehen.

Auf dem Weg von bzw. nach Villa de Leyva den Piedra de la Suerte (Stein des Glücks) anfassen.

Reisetipps

Zu Fuß ist die Estación Astronómica Muisca (der Eintritt kostet 7.000 KOL $, mit ISIC-Card 5.500 KOL $) etwa 6 km von Villa de Leyva entfernt. Man kann auch vom Terminal aus mit dem Bus Richtung Santa Sofia fahren und fragen, ob man in der Nähe raus gelassen wird. Auf gleicher Strecke liegen auch das Museo Paleontológico und El Fósil (der Eintritt kostet 8.000 KOL $), die beide nur wenige Meter von der Straße entfernt sind. Die Fahrt kostet ca. 3.500 KOL $.

Ein Kommentar bei „Villa de Leyva – Kolonialstädtchen mit Bergpanorama“

  1. Wieder einmal ein „Danke schön“ für diese eindrucksvolle Beschreibung und die tollen Bilder. Hoffen wir mal, dass euch das Berühren des Steins ganz viel Glück bringt und euch dieses gut durch die Zeit eurer Reise bringt 😉 !!

Schreibe einen Kommentar