Villa de Leyva – Der Wald hat seine eigene Musik

Wer körperlich fit ist und wem die Höhe nichts ausmacht, der sollte den Aufstieg zur Lagune, einem heiligen Ort des indigenen Volkes der Muisca, im Parque Nacional Santuario de Iguaque bei Villa de Leyva wagen. Auf nur 4 Kilometern Weg erklimmt man fast tausend Höhenmeter!

Vom Startpunkt auf der Straße zwischen Villa de Leyva und Arcabuco sind es rund 3 Kilometer bis zum Parkeingang. Hier kann man sich schon mal an die Anstrengung in der Höhe gewöhnen. Im Besucherzentrum des Nationalparkbüros muss man sich registrieren, bevor man den Weg zur Lagune beginnt.

Die indigenen Muisca glaubten, dass die Göttin Bachué hier eine Schlange in Stein verwandelt hat – den riesigen Kopf kann man zwischen den Blättern erahnen.

Der erste Teil der Wegstrecke ist noch mit Steinen ausgelegt und führt zur zweiten Übernachtungsmöglichkeit im Park. Am Besucherzentrum kann man nur Campen, hier gibt es sogar Holzhäuser mit Zimmern. Wer mag, kann hier auch ein Mittagessen vorbestellen. Eigentlich schafft man den Weg zur Lagune und zurück aber nicht so schnell, dass das zeitlich passt. Besser etwas Proviant für unterwegs einpacken.

Ziemlich genau 3,78 Kilometer Weg durch den Wald und über die Berge liegen nun vor einem. Von 2.950 Metern wird es auf bis zu 3.600 Meter hoch gehen.

Wer hat sich denn da versteckt? Der Andenguan (Pava andina) ist eine größere Vogelart, die man häufig zwischen den Zweigen entdeckt.

Die Flora und Fauna ist sehr vielfältig. Unzählige Bäume, Gewächse und Pflanzen kann man entdecken und in den Bäumen verschiedene Vogelstimmen hören. Auf den Wegen sitzen in den Sonnenflecken kleine Schmetterlinge. Ab und zu sieht man einen Kolibri durch die Zweige fliegen. Immer wieder stoben Vögel aus den Baumwipfeln auf. Augen und Ohren erleben hier eine wahre Entdeckungsreise.

Der Weg durch den (Nebel-)Wald ist sehr anstrengend. Man merkt die Höhe deutlich und auch die Luftfeuchte ist hier höher. Daher gehen wir langsam und machen öfter mal eine kurze Pause. Nach halber Strecke bricht man dann endlich aus dem Wald hervor und kann zum ersten Mal zwischen den Bäumen auf die umliegenden Berge und ins Tal blicken. Es ist wirklich wunderschön hier!

Angekommen bei 3.500 Höhenmetern! Doch es geht noch ein ganzes Stück weiter Richtung Lagune.

Nun wartet ein etwas steileres und felsiges Wegstück am Hang des Berges. Oben wird es – trotz Sonnenschein – deutlich kühler und windiger. Doch die Aussicht entschädigt für den anstrengenden Aufstieg. Im Tal sieht man saftig grüne Wiesen und dahinter die dunkelgrünen Bergketten.

Eine besondere, interessant anmutende Pflanzenart ist in dem Gebiet heimisch: Frailejones. Die gelblichen, stark wollig behaarten Pflanzen wachsen extrem langsam (weniger als einen Zentimeter pro Jahr) und blühen mit knallgelben Blüten – normalerweise zwischen November und Dezember, einige Exemplare zeigten sich bereits in ganzer Pracht.

Der Weg zieht sich um den bereits erklommenen Berg herum und man kann endlich einen Blick auf das Ziel der Wanderung werfen: la Laguna sagrada de Iguaque (die heilige Lagune von Iguaque).

Der heiligen Lagune soll man offen mit Respekt und Liebe entgegentreten.

Die heilige Städte der präkolumbianischen Muisca hat eine besondere Legende. Sie besagt, dass Bachué (oder auch Batchue), Göttin des Wassers und des Lebens und die Mutter des Volkes der Muisca, gemeinsam mit ihrem Mann, Lavaque (oder auch Ioth), dem Vater der Menschheit, aus der Lagune Iguaque entstanden ist. Dort verwandelten sie sich auch in Schlangen, um die Lagune für immer zu beschützen.

Was für ein ruhiger und friedlicher Ort. Auch wenn er auf den ersten Blick nicht spektakulär erscheint, so liegt die Lagune doch besonders und irgendwie erhaben eingerahmt zwischen den Bergen. Das Panorama ist einzigartig und das Gefühl, endlich angekommen zu sein, lässt einen Moment ehrfürchtig verweilen.

Der Rückweg ist deutlich einfacher und geht schneller, weil man nicht mehr so sehr mit der Höhe zu kämpfen hat. Dadurch hat man noch mal einen neuen Blick auf das ein oder andere, das einem unterwegs begegnet (Pflanzen und Tiere) und man kann den Geräuschen des Waldes bewusster lauschen.

Auch wenn der Aufstieg zur Lagune beschwerlich ist, er lohnt sich!

Reisetipps

Morgens um 7.00 Uhr in den Bus/Collectivo Richtung Arcabuco steigen und den Fahrer bitten, einen an der Straße zum Parque Nacional Santuario de Iguaque raus zu lassen (4.000 KOL $). Der gleiche Bus kommt um 16.00 Uhr wieder an der gleichen Stelle vorbei und sammelt einen gerne wieder ein.

Der Parkeintritt ist für alle Nationalparks in Kolumbien festgelegt und beträgt auch hier 42.000 KOL $ bzw. mit ISIC-Card nur 8.500 KOL $. Die eigene Passnummer sollte man immer zur Hand haben.

Unbedingt lange, warme Kleidung anziehen und eine Regenjacke einpacken. Sonnencreme, Wasser und Snacks nicht vergessen, man benötigt immer mal wieder zwischendurch Energie.

Angeben ist der Hinweg zur Lagune mit 3 bis 4 Stunden (wir haben rund 2 Stunden und 45 Minuten gebraucht) und der Rückweg mit 2 bis 3 Stunden (wir haben ihn in knapp 2 Stunden bewältigt). Am steilen Wegstücke (halbe Wegstrecke) sollte man den Aufstieg nicht zu spät beginnen, da man sonst nicht rechtzeitig wieder am Besucherzentrum ist, um den Bus zurück zu erwischen.

Ein Kommentar bei „Villa de Leyva – Der Wald hat seine eigene Musik“

  1. Puh, das war ja ein anstrengender Weg, auf den ihr uns da mitgenommen habt 😉 ! Da kommt man ja richtig ausser Puste 🙂 ! Wieder einmal ein herzliches „Danke schön“ für diese tollen Eindrücke per Schrift und Bild 🙂 !!

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