Bogotá – Ein Stadtspaziergang durch das Zentrum

Kommt man zum ersten Mal in Bogotá an, kann einen die 8-Millionenmetropole etwas überfordern. Doch ein zweiter Blick lohnt sich – vor allem das historische Zentrum (auch La Candelaria) hat einiges zu bieten. Der TransMilenio bringt einen in und ein zwei- bis dreistündiger Rundgang durch die Stadt.

Vor dem Museo del Oro, im Parque Santander, geht der Spaziergang los. Früher war der Platz als Plaza de las Hierbas (Platz der Kräuter) und Standort des regionalen Marktes bekannt. Auch während der spanischen Eroberung behielt er seine zentrale Funktion innerhalb Bogotás bei. Eine Zeit lang wurden hier auch Hinrichtungen von Staatskritikern und Widerständlern durchgeführt.

Zwischenzeitlich als Parque de San Francisco (zu Ehren von Franz von Assisi) bekannt, erhielt er schließlich 1877 seine heutige Bezeichnung. Namensgeber war Francisco de Paula Santander, Vizepräsident von Großkolumbien (1819-1827) und zweiter Präsident der Republik Neugranadas (1832-1837). Sein Haus stand an der Nordseite des Platzes, leider ist es jedoch nicht erhalten geblieben. An gleicher Stelle steht heute ein moderner, nicht besonders attraktiver Neubau.

Drei Kirchen sind seit dem 16. Jahrhundert an der Westseite des Platzes, entlang der Calle 1 entstanden: die Iglesia de San Francisco (1585-1595), die Iglesia de la Veracruz (ab 1631) und die Iglesia de la Orden Tercera (1761-1780).

Blick auf die Iglesia de San Francisco von der Calle 13 aus.

Der Weg führt an dem hohen Gebäude der Banco de la República vorbei zum Plazoleta del Rosario. Hier sieht man kleinere und größer Gruppen von Männern beisammenstehen. Sie alle handeln mit Edelsteinen, hauptsächlich Smaragden, dem „grünen Gold“ des Landes. In der Platzmitte steht auf einer sternförmigen Plattform eine Statue des Gründers von Bogotá, Gonzalo Jiménez de Quesada.

Die 1651 gegründete Universidad del Rosario an der Südseite des Platzes ist bis heute eine der führenden Bildungseinrichtungen des Landes. Unter den Spaniern wurde sie umgebaut und einige Jahre als Gefängnis und der Platz davor als Hinrichtungsstätte zweckentfremdet.

Durch die Carrera 7 geht es weiter. Rechts fallen einige Tafeln und Plaketten auf, darüber das Konterfei eines Mannes: Jorge Eliécer Gaitán. Der kolumbianische Anwalt und Politiker forderte seinerzeit einen Ausgleich zwischen den Klassen in Kolumbien. Seine politische Ideologie ist jedoch bis heute umstritten. Die Ermordung Gaitáns 1948 durch einen geistig verwirrten Mann – kurz vor den Präsidentschaftswahlen – jedenfalls stürzte das Land in eine tiefe Krise. Seine Anhänger (Gaitanistas oder auch Bogotazo genannt) hinterließen in der Hauptstadt ein Bild der Zerstörung: Gebäude, Autos und Straßenzüge brannten nieder, auch die Straßenbahn fiel ihnen zum Opfer. Dieser Bürgerkrieg, die sogenannte Violencia (Gewalt), dauerte bis 1958.

Biegt man links in die kleine Gasse Calle 12c ein und folgt dieser für einige Häuserblöcke, gelangt man zur Carrera 2, einer kleinen, bunten Straße mit zahlreichen Geschäften und Cafés. Hier tummeln sich die Studenten der umliegenden Universitäten in ihren Pausen und nach den Seminaren.

Das Bier der Inka: Chicha 

Das fermentierte, etwas sämige, bierartige Getränk auf Mais-Basis wurde schon von den Inkas getrunken. Es war, je nach Alkoholgehalt, als Alltags- oder Festgetränk beliebt. Auf Quechua heißt es Agha. Die Zusammensetzung variiert immer etwas. Probieren kann man Chicha zum Beispiel hier:

Café Casa Galería
Carrera 2 # 12B – 92 Callejón del Embudo
Bogotá (La Candelaria)

Die Straße führt geradewegs zum Plazoleta del Chorro De Quevedo, jenem historischen Platz, an dem Bogotá 1538 angeblich gegründet wurde. In der präkolumbianischen Zeit sollen die Muisca von hier aus die gesamte Sabana de Bogotá überblickt haben. 1832 wurde ein öffentlicher Brunnen installiert, an dem sich die Bewohner der umliegenden Viertel Wasser holen konnten. Dies machte ihn zu einem wichtigen Treffpunkt, eine Funktion, die er bis heute inne hat. Heute kann man auf dem Platz Handwerkskunst kaufen und wenn die Sonne scheint, findet man kaum einen Platz zum Sitzen.

Einfache, aber auch aufwändige Gemälde und Schriftzüge zieren viele Wände im historischen Viertel La Candelaria. Ein paar Häuser im kolonialen Stil sind noch erhalten und teilweise in bunten Farben gestrichen. Hier gibt es viele Hostales und kleine Cafés, aber auch einige schickere Restaurants.

Nach zwei weiteren Blöcken hält man sich rechts und folgt der Calle 11. Ins Auge fällt hier sofort die gelbe Iglesia de Nuestra Señora de la Candelaria im Kolonialstil. Die katholische Kirche ist der Jungfrau Maria gewidmet und wurde von spanischen Einwanderern begründet. Erbaut zwischen 1686 und 1703, wurde sie 1975 zum nationalen Denkmal erklärt und vor einigen Jahren (2003-2005) komplett restauriert. Auch ein Blick in den Innenraum lohnt sich.

Ein besonderes Highlight nur ein paar Häuser weiter ist das Museo de Botero mit zahlreichen Werken des kolumbianischen Künstlers Fernando Botero. Darunter unter anderem sein berühmtes Werk Una familia (Eine Familie) von 1989, das einige Millionen US-Dollar wert ist.

Mehrere gepflegte Höfe verbinden das Museum mit der Casa de la Moneda (Haus der Münze / des Geldes), in der eine umfangreiche Münzsammlung und viele historische Informationen zum alltäglichen Leben der Kolumbianer in der Hauptstadt gezeigt werden. Auch das Gebäude selbst hat eine thematisch relevante Geschichte: hier wurden ab 1622 die ersten Goldmünzen des Landes geprägt.

Der Eintritt in beide Museen ist frei, also sollte man ihnen zumindest einen kurzen Besuch abstatten und einen Gang durch die wunderschön bepflanzten Höfe machen. Sie sind täglich (außer dienstags) geöffnet.

An der nächsten Straßenecke biegt man erst nach links ab und geht dann rechts die Calle 10 entlang. Hier befindet sich das Teatro Colón, benannt nach dem Seefahrer und Entdecker Christopher Columbus. Es wurde in neoklassizistischem Stil von einem italienischen Architekten entworfen und 1892 eingeweiht. Unter anderem durch seinen mit Fresken dekorierten Innenraum gilt es als eines der schönsten Theater weltweit.

Ein paar Meter weiter kann man große, runde Oblaten kaufen, die mit allerlei süßen Soßen (u.a. Arequipe, eine dicke Creme aus Milch, Zucker und Vanille) bestrichen werden. Dazu gibt es eine kleine Anekdote von März 2016: Die Rolling Stones waren zu Besuch für ein Konzert in Bogotá und Mick Jagger bezahlte für eines der leckeren Gebäckstücke eine so große Summe in US-Dollar, dass er – im wahrsten Sinne des Wortes – bleibenden Eindruck hinterließ: Seitdem zieren sein Name und sein Bild zahlreiche der kleinen Verkaufswagen.

Als nächstes gelangt man zu einem kleinen, palmengesäumten und an drei Seiten von Häusern eingerahmten Platz, der Plazoleta de Cuervo. An der Rückseite ist eine große Steintafel angebracht, auf der eine erste spanische Übersetzung der Menschenrechte von Antonio Nariño zu lesen ist.

Die Calle 10 führt direkt zu einem der zentralen Plätze in der Innenstadt Bogotás, dem Plaza de Bolívar. Neben dem Capitolio Nacional, dem Sitz des nationalen Kongresses, und der Catedral Primats (Hauptkirche) steht an der Nordseite der imposante, modernistische Palacio de Justicia de Colombia (Justizgebäude von Kolumbien). Es ist bereits das dritte Gebäude, das diese Funktion in der Stadt übernimmt. Das erste wurde im Verlaufe der Violencia zerstört, woraufhin es an heutiger Stelle in den 1960er Jahren neu errichtet wurde. Am 6. November 1985 jedoch besetzten Guerrilleros (M-19) den Palacio de Justicia gewaltsam, es gab viele Geiseln und einige Tote. Mehrere Menschen verschwanden an diesem Tag unauffindbar. Die Umstände des Attentats wurden nie ganz aufgeklärt.

Über dem Haupteingang des heutigen Gebäudes steht ein Satz von Francisco de Paula Santander geschrieben:

Colombianos: las armas os han dado la independencia, las leyes os darán la libertad.

Kolumbianer: Waffen gaben euch die Unabhängigkeit, Gesetze werden euch die Freiheit bringen.

Seinen Abschluss findet der Rundgang im bzw. auf dem Dach des Centro Cultural Gabriel García Márquez, einem Kulturzentrum, das dem wohl bekanntesten Schriftsteller Kolumbiens gewidmet ist. In Südamerika wird er auch „Gabo“ genannt. Er lebte einen Großteil seines Lebens im (selbstgewählten) Exil in Mexiko und war dort auch als Journalist und politisch tätig. 1982 wurde ihm – als bisher einziger Kolumbianer – der Literaturnobelpreis verliehen, „für seine Romane und Erzählungen, in denen sich das Phantastische und das Realistische in einer vielfacettierten Welt der Dichtung vereinen, die Leben und Konflikt eines Kontinents widerspiegeln“ (Begründung für die Preisvergabe, Quelle: wikipedia.de).

Der Dachgarten des Kulturzentrums bietet einen wunderbaren Ausblick auf die Stadt und die Berge dahinter. Der Zugang zu dem architektonisch eher unspektakulären Gebäude ist frei. Es fällt auf durch zwei große mexikanische und eine kolumbianische Flagge über dem Eingang.

Reisetipps

Eine Free Walking Tour (von Beyond Colombia, auf Spanisch oder Englisch) ist sehr zu empfehlen. Sie folgt in etwa der oben beschriebenen Route. Dabei erfährt man jedoch nicht nur vieles über die einzelnen Orte, sondern noch einiges mehr über Land und Leute. Fragen und ein kleiner finanzieller Beitrag (am Ende der Tour) sind willkommen.

Ein Kommentar bei „Bogotá – Ein Stadtspaziergang durch das Zentrum“

  1. Wieder einmal sage ich „danke“ für diesen lebendigen Rundgang und die tollen Fotos, vor allem das aus dem Museo de Botero hat mir außerordentlich gut gefallen – tolle Perspektive 😉 !!

    Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Bericht 🙂 !!

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