Sydney nach Brisbane – Roadtrip mit dem Campervan (Teil 1)

Am Meer aufwachen, jeden Tag ins Wasser hüpfen, endlos scheinende Straßen entlangfahren, goldene Strände bewundern, grüne Berge und Täler durchwandern, wilde Tiere ganz nah sehen, fantastische Sonnenaufgänge erleben, den klaren Sternenhimmel aus dem Dachfenster betrachten – unser Trip von Sydney nach Brisbane war voller kleiner und großer Abenteuer und wundervoller Erlebnisse. 

Zwar hat auch uns der heißeste Sommer seit langem etwas zu schaffen und daher manchmal träge gemacht, aber wir haben dennoch ziemlich viel gesehen.

Wir nehmen euch gerne mit auf unsere 1000 Kilometer lange Reise entlang der Ostküste!

Aufbruch in Sydney

Ein bisschen aufgeregt sind wir schon, als wir unseren Campervan in einem der äußeren Stadtteile von Sydney abholen. Unser neues zu Hause auf Zeit, unser Fahrzeug, unser Schlafzimmer und unsere Küche für die nächsten vier Wochen. Eine ganz andere Art des Reisens erwartet uns. Und die absolute Freiheit zu entscheiden, wohin man fährt.

Zunächst kommen wir jedoch nicht weit, denn bei den Rekordtemperaturen des australischen Sommers in diesem Jahr (Februar 2017) macht erstmal die Kühlung des Wagens schlapp. Und die Inspektion ergibt einige weitere Mängel, die uns sicher nicht bis nach Cairns (unserem finalen Ziel) kommen lassen. Daher müssen wir die erste Nacht unseres Abenteuers „on the road“ statt im Campervan erstmal im Hotelzimmer verbringen. Auch okay, das hat wenigstens eine Klimaanlage.

Am nächsten Morgen geht es dann endlich los. All unsere Sachen verstauen wir in Kisten, die meisten Lebensmittel im Kühlschrank (der leider nicht die ganze Nacht an bleiben kann, da ihm – trotz separater Batterie – irgendwann der Strom ausgeht). Und raus geht es aus der großen Stadt Richtung Norden.

Entspannt Reisen

Wir haben uns vorgenommen, zwischen 100 und 150 Kilometern am Tag zu fahren, um die knapp 1000 Kilometer von Sydney nach Brisbane ohne Stress zu schaffen. Besonders am Anfang ist es gar nicht so einfach, immer einen passenden Schlafplatz zu finden. Denn bereits am späten Nachmittag beginnt es langsam zu dämmern und bei Dunkelheit sieht man öfters mal Tiere am Straßenrand stehen. Meistens sind es Kängurus, die dann auch häufig von den großen LKWs totgefahren werden. Daher haben wir immer versucht, um halb sieben an unserem Rastplatz zu sein. Manchmal landet man dabei auch bei McDonalds auf dem Parkplatz.

Unterwegs haben wir viele offene und herzliche Menschen getroffen. Die Australier sind ein äußerst freundliches und hilfsbereites Völkchen, das einem das Reisen wirklich angenehm und einfach macht. Sie sind immer für einen Plausch zu haben, ob im Supermarkt, an den Aussichtspunkten, in den Informationszentren oder an der Raststätte. Oft wird man sogar angesprochen und fast jeder hat ein paar nette Worte. Nicht selten bekommt man dazu noch ein „No worries!“ (Keine Sorge) sowie einen guten Rat zu hören. Alles sehr entspannt!

Tipps für unterwegs

Es gibt sicherlich 1000 und einen Weg, die Ostküste von Australien zu erkunden. Alleine die Anzahl der Orte, Nationalparks und Strände macht die Auswahl, wo man halten sollte, schwierig. Wir haben uns einfach spontan entschieden, wo wir abfahren, länger bleiben oder übernachten.

Geholfen hat uns dabei oft die App WikiCamps. Sie zeigt an, wo es Orte zum Übernachten (kostenpflichtige Campingplätze, aber auch freie Stellplätze, Hostels & Hotels), tolle Aussichtspunkte, Informationszentren und Bibliotheken gibt. Letztere können wir als besonderen Tipp all denen ans Herz legen, die ab und zu mal Mails checken, neue Reiseziele finden oder ihre elektronischen Geräte aufladen wollen. Eigentlich gibt es in fast jeder kleinen Stadt eine Bibliothek, die mit einigen Arbeitsplätzen, Steckdosen und sauberen Toiletten ausgestattet ist. An beliebten Zielen sind sie voller, aber meistens findet sich noch ein Tisch, an dem man ein paar Stunden ungestört sitzen kann.

Toll sind auch die vielen kleinen Straßenstände, an denen man – auf Vertrauensbasis – frisches Obst, Gemüse, Eier, etc. direkt vor der Türe von privaten Häusern kaufen kann. Einfach anhalten, nehmen was man möchte und das Geld in eine bereitgestellte Box legen. So schnell kann Einkaufen gehen!

15 lohnenswerte Stopps zwischen Sydney und Brisbane

Es gibt wohl keine „perfekte Route“ und die 15 folgenden Ziele sind daher nur Anhaltspunkte, was einen an der Ostküste zwischen Sydney und Brisbane so erwartet. Oft lohnt es sich, auch mal in kleineren Orten oder einsamen Buchten und Stränden zu halten oder einen Abstecher ins Landesinnere zu machen.

01 - Newcastle

In der Hafenstadt gibt es nicht nur Boote und Frachtschiffe zu sehen. Art-déco-Gebäude, Museen, Märkte und Cafés, Strände und rundherum ganz viel Natur machen die Region mit ihren knapp 500.000 Einwohnern zu einer beliebten Feriendestination. Besonders sind vor allem die 33 Kilometer langen Stockton Sand Dunes (Wanderdünen) nördlich der Stadt. Wir haben leider etwas zu wenig Zeit eingeplant und nur einen kurzen Stopp gemacht. Schade eigentlich!

02 - Pacific Palms

Der kleine Küstenort Pacific Palms hat einige tolle Strände (darunter den Seven Mile Beach) zu bieten, die vor allem in den Sommermonaten zahlreiche Surfer anziehen. Im angrenzenden Booti Booti National Park kann man wandern, schwimmen, Vögel und – zur richtigen Jahreszeit – auch Wale beobachten.

Eine ganz besondere Destination der Region und definitiv einen kurzen Halt wert ist die sogenannte Green Cathedral (Grüne Kathedrale) im Norden von Pacific Palms. Mitten im Wald und gleichzeitig wunderschön am Ufer des Wallis Lake gelegen, lädt die christliche Kultstätte seit 1922 zum Verweilen ein. Auch Hochzeiten und Gottesdienste werden unter den Cabbage Trees (Oschersträuchern) zelebriert.

03 - Port Macquarie

Port Macquarie wurde 1821 offiziell gegründet und zählt damit zu den ältesten europäischen Siedlungen an der Ostküste Australiens. Als beliebte Hafenstadt und Badeort liegt es sowohl am Meer als auch am Hastings River. Heute sind Landwirtschaft, Fischerei und Tourismus die wichtigsten Wirtschaftszweige der Region.

Einen Ort, den man in Port Macquarie nicht verpassen sollte, ist das Koala Hospital (täglich von 8.00 bis 16.30 Uhr geöffnet). Dort werden verletzte und kranke Koalas gepflegt und behandelt. Um 15.00 Uhr können Besucher an einer öffentlichen Führung teilnehmen und von den freiwilligen Helfern mehr über die Schicksale der einzelnen Tiere erfahren. Hierbei kann man die niedlichen Beuteltiere beim Essen und Schlafen beobachten, denn das sind ihre Hauptbeschäftigungen, der sie bis zu 20 Stunden am Tag nachgehen.

In der freien Natur bekommt man sie nur selten zu Gesicht, da sie die meiste Zeit ihres Lebens in den Wipfeln von Eukalyptusbäumen verbringen. Die Pflege im Koala Hospital ist genauso wichtig wie die Informationen über den Lebensraum und die Lebensweise der ursprünglich weit verbreiteten Koalas, die heute leider in vielen Teilen Australiens ausgerottet sind. Ihre Gesamtpopulation wird auf noch etwa 50.000 bis 80.000 Exemplare geschätzt.

Einen Schritt zurück in die Geschichte macht man im nahgelegenen Roto House (täglich von 10.00 bis 16.30 Uhr geöffnet). Das spätviktorianische Gebäude wurde 1890 von John Flynn erbaut und von ihm und seiner Familie bis 1979 bewohnt. Haus und Garten sind mit vielen Details ausgestattet und können von Besuchern selbst erkundet werden.

Das Wetter war nicht immer schön, daher schlugen auch manchmal die Wellen des wilden Meeres an die Felsküste. Das konnte man vom Tacking Point Lighthouse toll beobachten.

Nur wenige Kilometer südlich von Port Macquarie kann man das ebenfalls historische Tacking Point Lighthouse besichtigen. Als einer der ältesten Leuchttürme der Ostküste wurde er 1879 auf einer Anhöhe errichtet.

Ein etwa 9 Kilometer langer Coastal Walk (Küstenweg) führt vom Lighthouse Beach bis zum innenstadtnahen Town Beach in Port Macquarie. Dort kann man abends wunderbar beobachten, wie die Sonne langsam am Horizont verschwindet und den Himmel in verschiedenste Farben taucht. Schön!

04 - South West Rocks

Eine weitere kleine Küstenstadt, deren Strände sich wunderbar zum Schwimmen und Sonnenbaden eignen, ist South West Rocks. Zentrumsnah liegt die Horseshoe Bay, gut geschützt durch ihre natürlich tiefe Bucht, eingerahmt von Pinienbäumen.

Ganz in der Nähe befindet sich im Süden, mitten im Hat Head National Park, der Aussichtpunkt des Smoky Cape Lighthouse. Er ist der höchste Leuchtturm der Ostküste und umgeben von grünem Buschland. Zwischen Mai und November kann man von dort aus auch Wale beobachten, die dann an der Küste entlang ziehen.

Im 1891 erbauten und kürzlich restaurierten Head Lighthouse Keepers Cottage stehen neben dem Leuchtturm Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung.

South West Rocks Seafood
33 Livingstone St

In dem zentral in South West Rocks gelegenen Imbiss gibt es ein wenig mehr Auswahl, als nur das standardmäßige Fish´n´Chips. Das Essen war preiswert, frisch und lecker, man wartet allerdings auch manchmal eine Zeit lang darauf. Und das Personal ist – ganz untypisch für Australien – leider nicht das freundlichste… 
Gegenüber am Horseshoe Bay Kiosk soll das Essen übrigens auch gut sein.

05 - Little Bay Beach

Dieser Ort hat uns besonders fasziniert und uns eines unserer schönsten Reiseerlebnisse beschert: eine Begegnung mit wilden Kängurus! Die kleine, ruhige Bucht mit Sandstrand (leider zum Schwimmen ungeeignet, da oft hohe Wellen) liegt unweit von South West Rocks entfernt.

Rund um die Little Bay Picnic Area tummeln sich immer einige Kängurus, manchmal sind es nur zwei oder drei, manchmal große Gruppen. Meistens grasen sie friedlich auf einer der Wiesen. Dabei kann man die zur Art der Östliches Graues Riesenkängurus gehörenden Tiere wunderbar beobachten. Einige neugierige Exemplare trauen sich auch schon mal näher heran. Dennoch den Respekt vor den mitunter auch aggressiven Tieren nicht verlieren.

Das Wappentier Australiens (gemeinsam mit dem Emu) hat kräftige, verlängerte Hinterbeine und einen muskulösen Schwanz, der zur Stabilität dient. Mit den kleineren Vorderpfoten behelfen sich die Kängurus bei der Nahrungsaufnahme.

Wer noch etwas mehr Zeit hat, kann die teilweise bewaldete Halbinsel auf dem sogenannten Lookout Walk erkunden. Es bieten sich auf der Strecke immer wieder tolle Ausblicke aufs Meer, die Küste und die Ruinen des Trail Bay Gaol, ein Internierungslager aus dem Ersten Weltkrieg.

Unterwegs kann man so manche interessante Pflanzen- oder Tierspezies entdecken. Festes Schuhwerk ist empfohlen, denn auch auf dem Boden krabbelt es gelegentlich (Schlangen, etc.).

06 - Sawtell Lookout

Noch so ein Lieblingsort, den wir eher zufällig entdeckt haben. Nicht nur von Besuchern, sondern auch von den Anwohnern werden die Strände und der Aussichtspunkt des hübschen kleinen Ortes Sawtell stark frequentiert. Man kommt zum Picknicken und Spazierengehen, mit Hund, zum Schwimmen, Angeln und Surfen.

Die Aussicht vom Bonville Headland Lookout ist fantastisch und einen tollen Ort zum Schwimmen gibt es auch: den Sawtell Memorial Rock Pool. Auch wenn das Meer mal rauer ist, kann man darin geschützt seine Bahnen ziehen. Morgens trifft man viele Locals (Einheimische), die teilweise schon seit Jahren herkommen. Auch ein Ausflug entlang des Sawtell Beach (vom Rock Pool aus) lohnt sich.

Vom Aussichtspunkt aus kann man oft Surfer und auch Delfine im Wasser beobachten. Wie toll, wenn gleich eine ganze Gruppe der Meeressäuger an der Küste entlangzieht und immer wieder auftaucht!

Wir haben übrigens auch an dem Aussichtspunkt übernachtet (vielleicht der allerschönste Ort überhaupt dafür), waren uns allerdings nicht sicher, ob das auch erlaubt ist. Denn er liegt auf Nationalparkgebiet und auf dem darf normalerweise nicht gecampt werden. Auch die sanitären Anlagen sind nachts abgeschlossen. Daher ein kleines Risiko, aber für uns haben sich der Abstecher und die Übernachtung in Sawtell definitv gelohnt.

Barista’s Bar
Bonville Headland Lookout, Sawtell

Das Beste nach dem Aufwachen – neben dem wunderschönen Sonnenaufgang und Schwimmen im Rock Pool – ist der kleine Kaffeewagen, bei dem man bereits morgens (ab 6.00 Uhr) ein heißes Milchschaumgetränk bekommt und es mit Meerblick genießen kann! Zum Frühstück haben wir uns meistens schon am Tag zuvor etwas im Supermarkt besorgt und kleine Donuts machen das Ganze ziemlich perfekt. Thanks, Sawtell!

07 - Coffs Harbour

Jeden Tag am Meer zu verbringen ist tatsächlich ein Luxus, an dem man sich nicht so schnell satt sieht. Neben den vielen kleinen Badeorten und Stränden gibt es auch einige größere, darunter Coffs Harbour. Die Stadt hat ein paar Highlights (und Kuriositäten) zu bieten, die man nicht verpassen sollte.

Das Muttonbird Island Nature Reserve, auch bekannt als Giidany Miirlarl (die Aborigines-Bezeichnung bedeutet so viel wie „Heiliger Ort des Mondes“), ist ein Schutzgebiet für Seevögel und andere Meeresbewohner. Unter anderem nisten auf der dem Hafen von Coffs Harbour vorgelagerten Insel Keilschwanzsturmvögeln (Wedge-tailed Shearwaters) und Dunkelsturmtaucher (Muttonbirds), die alljährlich bis auf die Philippinen fliegen, jedoch immer zum Brüten zurückkehren.

Hat man den Hafen hinter sich gelassen, erreicht man über einen kurzen Weg den Eastern Lookout, der eine spektakuläre Aussicht aufs Meer und die Küstenlinie bietet. Von dort aus überschaut man den Hafen und das Gebiet des Solitary Islands Marine Park, der unter anderem Schildkröten schützt, und an klaren Tagen blickt man sogar bis nach South West Rocks im Süden und Woolgoolga im Norden.

Der Weg für Fußgänger hinüber zur Muttonbird Island ist künstlich aufgeschüttet. Die Bucht und der Hafen werden von großen Betonblöcken gegen die Wellen geschützt. Daran ist nicht zu rütteln!

Viele Schilder am Rande der Wege mit Hinweisen und Bildern informieren über die Tier- und Pflanzenwelt der Insel. Manchmal kann man am Wegesrand zwischen den Büschen und Sträuchern die Erdnester der Vögel sehen, die jedes Jahr wiederkehren, um dort ihren Nachwuchs großzuziehen. Daher ist es besonders wichtig, auf den vorgegebenen Wegen zu bleiben, um keine Behausungen zu zerstören.

Muttonbird Island ist auch für die Aborigines ein wichtiger Ort, der viele Traumgeschichten sowie wichtige Ressourcen birgt und früher eine Zeremonialstätte des lokalen Stammes war. Es lohnt sich also, einen kleinen Spaziergang über die Insel zu unternehmen.

Etwas außerhalb von Coffs Harbour haben wir unser erstes „Big Thing“ gesehen! Davon gibt es mehr als 145 über ganz Australien verteilt. Auf unserer Reise haben wir einige davon geplant, andere ganz spontan angeschaut und uns so manches Mal über den „Größenwahn“ der Australier gewundert.

Die Big Banana in Coffs Harbour ist jedenfalls eines der allerersten „Big Things“ überhaupt gewesen und bis heute eines der bekanntesten und beliebtesten. Seit 1964 dreht sich dort alles um die Banane. Neben einigen Plantagen gibt es ein Restaurant, einen Souvenirshop und einen Freizeitpark.

Mehr über die Region unter www.coffscoast.com.au

Big Banana
351 Pacific Highway

Den Freizeitpark muss man nicht besuchen, aber wenn man schon mal da ist, sollte man unbedingt ein Banana Split (natürlich mit Bananeneis, was sonst?) essen – köstlich! Eins reicht übrigens zum Teilen, die Portion ist üppig.

08 - Moonee Beach Nature Reserve

Diese wunderschöne, sehr idyllisch gelegene Day-Use-Area (nicht zum Übernachten) befindet sich nahe Coffs Harbour. Wir haben unterhalb des North Coast Holiday Parks geparkt. Auch dort laden, wie an den meisten anderen Stränden, gepflegte Tische und BBQs zum Picknicken bzw. Grillen ein.

Im Moonee Beach Nature Reserve kann man sich treiben lassen – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die Strömung des Moonee Creek trägt einen entspannt mit sich. Ebenso einfach gelangt man aber auch über den Fluss ans Meer zum langen Moonee Beach. Die Region lässt sich gut zu Fuß oder mit dem Kanu erkunden und bietet ausgezeichnete Möglichkeiten zum Fischen, Vögel beobachten, Surfen, Schnorcheln und Tauchen.

09 - Woolgoolga

Neben zwei Sikh Tempeln (darunter der erste in Australien) haben wir in der Stadt noch etwas Tierisches entdeckt. Am Woolgoolga Lake, direkt am Woolgoolga Lakeside Holiday Park, hat sich uns ein unerwartetes, lautes und beeindruckendes Bild geboten: dort hängen tausende Fledermäuse in den Bäumen und ziehen abends in Scharen übers Wasser.

Die Kolonien des Grey-headed Flying-fox (Graukopf-Flughund) sind gefährdet und daher geschützt. Sie gehören mit einer Flügelspannweite um einen Meter zu den größten Fledermausarten Australiens. Abends begeben sie sich von ihren Camps (Lagern) aus auf Futtersuche – unglaubliche 50 Kilometer legen die Flughunde dabei manchmal zurück.

Sie ernähren sich vorrangig von Nektar, Pollen und Früchten und kommen daher oft menschlichen Siedlungen, wie hier in Woolgoolga, ziemlich nah. Viele betrachten sie daher als Belästigung (Geruch und Geräusche) oder sogar Gefährdung (Krankheiten). Doch die Flughunde übernehmen auch eine wichtige ökologische Aufgabe, nämlich die Verbreitung von Pollen und Pflanzensamen. Für uns jedenfalls war es beeindruckend, so viele Flughunde an einem Ort zu beobachten. 

10 - Yamba

Yamba ist eine malerische Kleinstadt, die Urlauber und Einheimische regelmäßig an ihre schönen Strände zieht. Ob man es etwas belebter am Hauptstrand mag, oder lieber an einem der außerhalb gelegenen Strände einen entspannten Spaziergang macht, hier ist für jeden etwas dabei.

Der Main Beach von Yamba ist – wie der Name schon sagt – sehr zentral gelegen und gut zugänglich. Er ist mit Toiletten, Duschen und einem einfachen Restaurant ausgestattet. Auch die Rettungsschwimmer haben ihr Gebäude direkt am Strand, was ihn zum richtigen Ort macht, um sich in die oft recht hohen und wilden Wellen der Tasmanian Sea (Tasmanische See) zu stürzen. Etwas weiter südlich liegt der Pippi Beach. Dort ist es friedlich und ruhig. Man kann den ganzen Tag entspannen und nichts tun, außer den Strand und das Meer zu genießen.

11 - Ballina

Die 15.000 Einwohner zählende Stadt Ballina hatte ursprünglich einen anderen Namen, doch die irischen Siedler übernahmen eine Bezeichnung, die die Aborigines dem Ort gegeben hatten: aus balloonah / bullenah („Ort, wo es Austern gibt“ / „Blut, das von den Verletzten rinnt“) wurde schließlich Ballina. Strand und Wellen locken auch dort Surfer und Touristen an. Andere wichtige Wirtschaftszweige sind die Fischerei sowie der Anbau von Zuckerrohr und Macadamianüssen.

Gerne wollten wir den wenige Kilometer im Norden gelegenen Lake Ainsworth, der aufgrund von den an seinen Ufern wachsenden Teebäumen auch als „Tea Tree Lake“ bekannt ist, besuchen. Ein Bad darin soll gut für Haut und Haare sein sowie Insekten fernhalten. Leider hat uns das heiße Sommerwetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Schon aus der Ferne konnten wir im Landesinneren mehrere kleine Bushfire (Buschfeuer) sehen, deren Qualm hoch in die Luft aufstieg und die von Löschhelikoptern mit Wasser überschüttet wurden. Für uns ging es daher zurück nach Ballina, denn wir wollten kein Risiko eingehen.

Nicht entgehen lassen konnten wir uns allerdings das „Big Thing“ der Stadt: die Big Prawn. Und das Ding ist wirklich riesig und leuchtet ganz schön vor dem strahlend blauen Himmel! 

Bevor es weiter in den Norden geht, lohnt sich ein kurzer Abstecher zu den Killen Falls. Dort gibt es einen kleinen Rundweg sowie einen Pfad zu den Wasserfällen. Hunderte Schmetterlinge und Libellen flattern über dem Wasser des Emigrant Creek. Die Fälle haben eine Höhe von rund 10 Metern und ergießen sich in einen kleinen Badesee. Bei unserem Besuch war allerdings sehr wenig Wasser drin. Dafür haben wir eine kleine Schildkröte beim Sonnenbaden beobachten können.

Öffentliche BBQ-Plätze nutzen

Zwar kein Fisch, aber wir hatten uns vorgenommen, wenigstens einmal auf unserer Tour Kängurufleisch zu probieren. Das bekommt man in Australien in jedem Supermarkt. Zu Frikadellen verarbeitet und auf einem der vielen BBQs angebraten, wird daraus zusammen mit Brötchen und Salat ein leckerer, frischer Burger. Yummy!

12 - Byron Bay

Als eine DER Touristenattraktionen der Ostküste Australiens ist die Stadt Byron Bay sogar in der Nebensaison ziemlich überlaufen. Zumindest für unser Verständnis. Ungerne schieben wir uns irgendwo mit den Massen durch die Straßen, also entschieden wir uns nur für einen kurzen Stopp beim Leuchtturm.

Einst bekannt geworden als Surferdorf und bevölkert von alternativen Utopisten und engagierten Hippies, ist das Städtchen auch heute noch Ort der Künstler und Kreativen. Traumstrände, Märkte, Festivals und das Nachtleben ziehen zehntausende Besucher jährlich an. Doch was viele so anziehend finden, die Atmosphäre und das Lebensgefühl, die Lässigkeit und das „ökologische Bewusstsein“, geht uns schnell auf die Nerven. Die Straßen sind voll und einen freien Parkplatz – für den man selbstverständlich bezahlen muss ­– zu finden, ist ein Glücksfall.

Einen Blick auf den berühmten weißen Leuchtturm Cape Byron Light von 1901, der am Ende der sich immer weiter aufwärts schlängelnden Lighthouse Road steht, wollen wir dennoch werfen. Und die Aussicht von dort oben ist tatsächlich fantastisch! Vor der Küste schwimmen manchmal Gruppen von Delfinen, an den Stränden tummeln sich die Menschen und die Surfer warten im Wasser auf gute Wellen.

Vom Leuchtturm aus führt ein Weg bergab zum „most easterly point“, dem östlichsten Punkt des australischen Festlandes. Sollte man sich definitiv anschauen, wenn man schon einmal dort ist. 

13 - Brunswick Heads

Am Wochenende mischen sich unter die zahlreichen Touristen auch die Einheimischen. Denn der Ort an der Mündung des Brunswick River lädt mit seinen schönen Häusern zum entspannten Bummel entlang der Geschäfte und dem Verweilen in den zahlreichen Cafés und Restaurants ein.

Starfish Take-Away
20 Mullumbimbi Strett

Essen sollte man hier auf jeden Fall etwas aus dem Meer (beispielsweise frittierte Tintenfischringe) und dazu eine kühle, in Australien produzierte Bundaberg-Limonade genießen. Statt sich in den kleinen Imbiss zu quetschen, nimmt man die Speisen lieber in den gegenüberliegenden Banner Park mit.

14 - Springbrook National Park

Auch das Landesinnere des Bundesstaates New South Wales (NSW) ist wunderschön: die Natur dort ist ganz anders, so grün und lebendig. Der Ausflug in den Springbrook National Park hat uns grandiose Panoramablicke über ein Meer aus Bäumen bis hin zum „echten“ Ozean beschert.

Entlang des und schließlich über den Tweed River ging es durch das historische Städtchen Chinderah immer weiter ins Grüne. Auf der Fahrt passiert man kleine Siedlungen, zahlreiche Wiesen, Felder und Obststände. Immer weiter schlängelt sich die Straße hinein ins Landesinnere und den dichten Regenwald.

Unser erster Stopp im Springbrook National Park war die Natural Bridge. Die mystisch anmutende Gesteinsformation ist einfach über einen Weg vom Nerang-Murwillumbah Road Parkplatz zu erreichen. Der kurze, etwa einen Kilometer lange Rundweg führt mitten durch subtropischen Gondwana Regenwald. Bei Dämmerung und Dunkelheit können in der Höhle auch Glowworms (Glühwürmchen) beobachtet werden.

Über 6.000 Hektar Fläche gehören zum Schutzgebiet des Springbrook National Park, dessen Berge und Täler vor über 23 Millionen Jahren durch vulkanische Aktivitäten geformt wurden. Heute überzieht ein dichtes, grünes Waldgebiet weite Teile davon.

Uralte Bäume, seltene Pflanzen- und Tierarten sind im Springbrook National Park zu Hause. Wasser hat sich seinen Weg gebahnt und ergießt sich an mehreren Stellen die steilen Felswände hinunter.

Der Nationalpark wird in vier Bereiche eingeteilt: Springbrook Plateau, Mount Cougal (im Südosten), Natural Bridge und Numinbah (im Westen). Das Plateau bietet die meisten Aussichtspunkte und einige Wanderwege in verschiedenen Längen und Schwierigkeitsgraden. Wir sind bis zum Best of All Lookout (der heißt wirklich so) gefahren. Von dort hat man eine spektakuläre Aussicht!

Auch der Canyon Lookout ist einen kurzen Abstecher wert, denn er befindet sich quasi auf dem Weg zurück. Zu beiden Seiten der etwas weiter nördlich gelegenen Purling Brook Falls gibt es zwei Aussichtspunkte und Wanderwege, die zum Teil bis hinunter in die Schlucht führen. Dafür sollte man sich allerdings ausreichend Zeit nehmen. Es lohnt sich übrigens, immer mal wieder nach unten und ins Dickicht zu schauen. Dort kann man so einige Tiere entdecken.

Die Orientierungskarte des Springbrook National Park kann hier und eine schöne Übersicht der Must-Dos-and-Sees in der Region hier heruntergeladen werden.

Abends haben wir noch einen kurzen Schlenker über Advancetown und das mitten im Nirgendwo gelegene Australian Bat Clinic & Wildlife Trauma Center gemacht. Dort werden kranke, verletzte und verwaiste Fledermäuse aufgepäppelt und (wieder) lebenstüchtig gemacht. Ziel ist es, Bestände zu erhalten und gefährdete Arten zu schützen. Ein tolles Projekt!

15 - Gold Coast

Hochhäuser, viel Verkehr und verhältnismäßig volle Strände – so haben wir den Ballungsraum Burleigh Heads, Gold Coast und Surfers Paradise empfunden. Ein kurzer Abstecher hat uns daher genügt. Dennoch sind die langen Strände schön – vor allem morgens, wenn nur wenige Menschen an selbigen entlanglaufen und sich ein paar Kitesurfer auf dem Wasser dem Wind entgegen stellen.

Nicht nur Seaworld befindet sich auf der „The Spit“ genannten Landmasse im Norden von Gold Coast und Surfers Paradise. Mit zahlreichen Parkplätzen ausgestattet, bietet es Möglichkeiten zum Angeln, Schnorcheln und Boot fahren. Über eine Steinmauer ganz im Norden kann man bis zu einem kleinen Leuchtturm spazieren und von dort einen Blick entlang der Küste bis nach Surfers Paradise und auf die angrenzenden Strände werfen.

Ein Spaziergang entlang der entspannten Esplanade von Burleigh Heads (im Süden) lohnt sich ebenso wie ein Besuch der Strände des Touristenmekkas Surfers Paradise. So lange man sich nicht in der Stadt, also in Gold Coast selbst, bewegt, kann man unter der Woche Sonne und Meer abseits vom Trubel genießen.

Mehr über Orte und Aktivitäten rund um Gold Coast unter www.goldcoastinfo.net

Coffee & Cookies

Die Kaffee liebenden Australier, die für ihren „Flat White“ auch gerne mal ein paar Dollar ausgeben, mögen es uns verzeihen, denn auch bei 7Eleven gibt es richtig guten Kaffee – und das für ganz kleines Geld! Dazu einen leckeren Cookie (große Packungen gibt es im Supermarkt) und schon ist die Kaffeepause am Strand (oder anderswo) perfekt.

Reisetipps

SICHERHEIT AUF DER STRASSE
Entfernungen darf man in Australien nicht unterschätzen! Für viele Strecken braucht man länger als gedacht (u.a. weil das Tempolimit niedriger als bei uns in Deutschland ist und es mitunter viele Baustellen gibt). Abends bzw. am späten Nachmittag sollte man sich rechtzeitig einen Platz für die Nacht suchen, da man sonst Gefahr läuft, mit Wildtieren zu kollidieren. Das gefährdet nicht nur die Tiere, sondern auch die Autofahrer. Fährt man nicht immer auf den großen Highways, das regelmäßige Tanken nicht vergessen! Meistens gibt es Hinweisschilder, wann die nächste Tankstelle kommt.

ÜBERNACHTUNGSPLÄTZE FINDEN
Wie bereits erwähnt, hat sich für uns die App WikiCamps als sehr hilfreich herausgestellt. Sie zeigt an, wo man umsonst stehen darf bzw. was bestimmte Rastplätze (mit/ohne Stromanschluss) kosten. Leider gibt es immer weniger kostenfreie Stellplätze für Campervans und Wohnwagen entlang der Ostküste. Manchmal muss man etwas weiter ins Landesinnere fahren oder auf einen kostenpflichtigen Campingplatz ausweichen. Daher eventuell die Streckenabschnitte im Voraus planen und die Tipps der anderen Reisenden beachten. Die meisten kostenlosen Orte haben übrigens keine Duschmöglichkeiten, sondern nur Toiletten. Duschen gibt es dafür an den meisten Stränden. Manchmal kann man auf Parkplätzen von Pubs oder Restaurants übernachten. Dann bitte mit einer Bestellung (Abendessen und/oder Getränk) für die Gastfreundschaft bedanken – sonst lohnt das Angebot sich leider für die Betreiber nicht.

INTERNET UNTERWEGS
Für eine längere Reise empfiehlt sich eine Sim-Card (meistens ab 30 Tage), mit der man erstens telefonieren (falls mal etwas ist, z.B. mit dem Fahrzeug) und zweitens auch im geringen Umfang mobile Daten nutzen kann. Darüber hinaus bieten die meisten öffentlichen Bibliotheken Arbeitsplätze mit Strom (Geräte aufladen), Internet und schöne Toiletten.

GELD SPAREN
Essen ist teuer in Australien. Daher haben wir uns nur selten einen Besuch im Restaurant geleistet. Im Supermarkt einkaufen und selbst kochen oder an einem der vielen kostenfreien BBQs am Strand oder im Park grillen ist eh viel schöner. Kaffee bekommt man günstig bei den kleinen 7Eleven-Supermärkten und Eis & FrozenCoke gibt es bei den meisten Fastfoodläden. Können wir – vor allem bei hohen Temperaturen – nur empfehlen!

NATUR SCHÜTZEN
Das Folgende hört sich vielleicht ziemlich selbstverständlich an, ist es aber anscheinend längst nicht bei allen Reisenden. Und damit die Australier alle Camper und Urlauber weiterhin mit offenen Armen empfangen, sollte sich jeder an einige simple Regeln halten. Feuer machen ist in den meisten Regionen verboten, da die Waldbrandgefahr viel zu hoch ist. Also besser mit Gaskocher kochen. Damit auch andere Reisende weiterhin gerne gesehen sind, immer allen Müll wieder mitnehmen oder in einem der zahlreichen Mülleimer entsorgen. 
Wir sind auf unserer Reise ziemlich vielen Tieren begegnet. Die meisten sind scheu und schnell wieder im Gebüsch verschwunden. Doch auch die zutraulicheren sollte man nur anschauen, ihnen aber nicht zu nahekommen – immerhin sind sie wild!
Mehr zu den Nationalparks von NSW unter www.nationalparks.nsw.gov.au

3 Kommentare bei „Sydney nach Brisbane – Roadtrip mit dem Campervan (Teil 1)“

  1. Monika Lehnen sagt: Antworten

    Wie viele Erlebnisse und Eindrücke in diesem Bericht wieder einmal enthalten sind, finde ich großartig…. 🙂 …und die Bilder verdeutlichen das sehr eindrücklich!!! Auch hierfür wie immer ein dickes „Danke schön“, dass wir daran teilhaben dürfen!! Muchos besos aus der Heimat 😉 !!

  2. Wieder mal eine wunderschöne Reise via Bildschirm, einfach herrlich und die Känguruhs sind der Hammer, besonders das eine, daß so neugierig in die Kamera schaut, bestimmt ein Modell.
    Auch von mir ein Dankeschön, daß wir das alles miterleben dürfen!!!!!!!!!!!!

  3. Helmut Keuchen sagt: Antworten

    Wunderschöne Bilder und Reisebeschreibungen die mich an meine Reise in Australien im Jahre 90/91 erinnern. Herzlichen Dank dafür. Ich wünsche Euch noch eine wundervolle Zeit in Australien. LG aus Köln-Rondorf.

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