Singapur – Eine Stadt, viele Welten

Die Millionenmetropole Singapur wirkt sauber, modern und unabhängig. Als Insel- und Stadtstaat leben auf einer Fläche von nur etwas mehr als 700 Quadratkilometern fast 6 Millionen Menschen. Ungefähr ein Viertel davon sind Ausländer. Sie kommen aus China, Malaysia, Indien oder sind Auswanderer aus der ganzen Welt.

Singapur hat daher gleich mehrere offizielle Sprachen: Englisch, Malaiisch, Mandarin und Tamil. Englisch wird von vielen Einwohnern mit einem etwas schwer zu verstehenden Dialekt, der als „Singlish“ bezeichnete wird, gesprochen.

Das Land verteilt sich auf einer großen und mehreren kleinen Inseln an der südlichen Spitze der malaysischen Westhalbinsel. Doch so klein Singapur auf den ersten Blick zu sein scheint, hat es doch viele Sehenswürdigkeiten und einiges an Geschichte zu bieten. Moderne Hochhäuser mischen sich zwischen koloniale Bauten. Kirchen, Tempel und Moscheen koexistieren selbstverständlich. Museen, Kulturzentren und Themenparks haben genauso ihren Platz gefunden wie Naturreservate und Gärten. Man muss weder auf ein kulinarisches Erlebnis, noch eine Shoppingtour verzichten. Und sogar einige Strände hat der Stadtstaat.

Geschichte: Von der Kronkolonie zur Wirtschaftsmacht

Auch wenn mit der Erzählung der Geschichte Singapurs meistens erst im 19. Jahrhundert begonnen wird, als Sir Thomas Stamford Raffles 1819 die erste britische Niederlassung der East India Company gründete, so hat sie ihre Ursprünge bereits im 3. Jahrhundert. Chinesische Texte berichten von einem Außenposten des auf Sumatra beheimateten Srivijayareiches, der den Namen „Temasek“ trug. Nur noch einige wenige archäologische Spuren zeugen heute von dem einst bedeutenden Handelshafen. Lange wurde die Insel danach lediglich von einigen malaiischen Fischerfamilien besiedelt sowie von Piraten als Zufluchtsort genutzt.

Der britische Handelsagent Sir Thomas Stamford Raffles wird daher als „Gründer des modernen Singapur“ bezeichnet. Nach und nach vereinnahmte die Kolonie die gesamte Insel, die sie 1824 schließlich dem Sultan von Johor, dem das Land damals gehörte, abkaufte.

Die Lage Singapurs war perfekt: alles Schifffahrtsrouten zwischen China und Europa führten an dem Hafen vorbei. An dem Umschlagplatz wurden Schiffe be-, ent- und umgeladen. Dadurch florierten die Handelsbeziehungen in Singapur. Schon bald wuchs nicht nur die Bedeutung der Stadt, sondern auch deren Einwohnerzahl. 1881 zählte Singapur bereits knapp 173.000 Menschen.

In der ehemaligen katholischen Knabenschule der Salesianer (Grundsteinlegung 1855) ist seit 1996 das Singapore Art Museum (SAM) untergebracht. Gezeigt wird vor allem zeitgenössische Kunst aus Südostasien.

Territorialer Expansionen Englands machten Singapur 1867 offiziell zur britischen Kronkolonie. Im Zweiten Weltkrieg allerdings marschierten japanische Truppen über die Landseite Malaysias ein und umzingelten die Insel. Damit hatte niemand gerechnet und so unterlagen die britischen, australischen und indischen Truppen. Die Japaner benannten Singapur um in Shōnan-tō (kurz für Shōwa no jidai ni eta minami no shima, was so viel bedeutet wie „Insel im Süden, die in der Shōwa-Zeit gewonnen wurde“).

Von 1945 an war Singapur nach dem Ende des Krieges, aus dem unter anderem England als Sieger hervorgegangen ist, wieder unter britische Herrschaft, ab 1959 als selbstregierte Kronkolonie. 1963 schließlich wurde Singapur im Zuge der Entkolonialisierung vom Vereinigten Königreich unabhängig. Massiven Unruhen in der Stadt ließen 1965 auch die Regierung Malaysias die Souveränität des Stadtstaates und die Unabhängigkeit der 1948 neu gegründeten „Föderation Malaya“ anerkennen.

Die Orchard Road ist wohl die bekannteste Einkaufsmeile der Stadt. Ihren Namen erhielt sie durch die ehemals auf beiden Seiten wachsenden Plantagenbäume (in Englisch „orchard“). Die Straße mit ihren vielen Einkaufkomplexen und Warenhäusern, wie Besucher sie heute vorfinden, entwickelte sich im 20. Jahrhundert. Traditionelle und bunte Häuser stehen dort noch immer im Schatten moderner Neubauten.

Die plötzliche Autonomie brachte allerdings auch viele Probleme und Herausforderungen mit sich. Wohnraum, Agrarfläche, Rohstoffe und Arbeitsplätze waren rar. Doch der damalige Premierminister Lee Kuan Yew (1959 bis 1990) schaffte es, den Lebensstandard und die Wirtschaftskraft Singapurs zu steigern und innerhalb einer Generation aus dem Land eine Industrienation zu machen. Heute zählt Singapur zu den erfolgreichsten Ländern weltweit, mit festen internationalen Handelsbeziehungen und einem der größten Häfen.

Seitdem ist die PAP (People’s Action Party) die dominierende Partei des Landes. Die Politik war stets konservativ und tendierte von den westlichen Werten hin zu asiatischen nach der Lehre des Konfuzius (dazu gehören u.a. eine staatlich vorgegebene Ethik, strenge Gesetze und ein hohes Maß an Überwachung). Zwar gibt das politische System vor, eine Demokratie zu sein, doch es lässt weder Oppositionsparteien noch dem Individuum viele Freiheiten. So hat die Wohlstandsgesellschaft mit der niedrigsten Kriminalitätsrate der Welt ihren Preis. Übrigens herrscht in Singapur Wahlpflicht. Wer nicht wählen geht, muss eine Strafe zahlen.

Gesellschaft: Ein reiches Land mit eigenen Problemen

Singapur ist bekannt dafür, ein sehr kostspieliges Land zu sein. Das britische Magazin „The Economist“ kürte Singapur 2017 sogar bereits zum vierten Mal in Folge zur Stadt mit den höchsten Lebenshaltungskosten weltweit. Ein Titel von zweifelhaftem Ruhm, der die Metropole nicht nur für Touristen zu einem teuren Vergnügen macht, sondern auch einige Probleme des Stadtstaates aufzeigt. Denn die Kriterien für das Ranking sind Preise für Produkten wie Nahrungsmitteln und Kleidung, Transport, die Mieten und die Kosten für verschiedenste Dienstleistungen. Was nach außen hin immer schick und international wirkt, verbirgt mitunter die Tatsache, dass das bei einigen wenigen Superreichen und dem Land vorhandene Geld kaum in die Menschen selbst investiert wird.

Armut existiert, auch wenn sie vom Staat gerne ignoriert und an die äußersten Stadtgrenzen verdrängt wird. Bildung wird nur im Sinne des Landes gefördert, Individualismus und Meinungsfreiheit meist unterdrückt. Der durchschnittliche Bürger Singapurs wohnt mit zahlreichen Familienmitgliedern in einer kleinen Hochhauswohnung zu einer teuren Miete. Noch nicht einmal Platz zum Wäschetrocknen bleibt, sodass man vor vielen Fenstern Shirts und Hosen um Wind flattern sieht – die „inoffizielle Flagge von Singapur“.

Wirtschaft: Handel und Freiheiten statt Produktion

Bis heute ist Singapur zwar einer der wichtigsten Häfen (zu Luft und zu Wasser) für den Waren- und Finanzverkehr weltweit, es gibt jedoch in dem flächenmäßig kleinen Land kaum Produkte aus eigener Herstellung. Alle Lebensmittel, Alltagsgegenstände und Luxusgüter müssen importiert werden und sind dementsprechend teuer. Dadurch ist das Land extrem abhängig von anderen Staaten. Trinkwasser beispielsweise wird in großen Mengen aus Malaysia importiert. Weitere wichtige wirtschaftliche Handelspartner Singapurs sind die USA, Großbritannien, Japan, Hongkong und Thailand.

Nach Hong Kong (Studie 2017) bietet der Stadtstaat die meisten wirtschaftlichen Freiheiten für Unternehmen. Aufgrund des stabilen politischen Systems entwickelte er sich immer weiter zum internationalen Finanzplatz und wurde Nebensitz vieler ausländischer Banken. Da seit 2014 viele Tochterunternehmen internationaler Finanzdienstleister ihre Filialen in Singapur schlossen, musste um- und neugedacht werden. Zunehmend siedeln sich nun aufgrund vieler moderner Institute und Einrichtungen auch Firmen der zukunftsträchtigen Biotech- und Pharmaindustrien an.  

Einer der wichtigsten Wirtschaftszweige mit Einnahmen in Milliardenhöhe in Singapur ist der Tourismus. 11,8 Millionen Menschen besuchten den Stadtstaat 2015 (Quelle: wikipedia.de) und machten ihn damit zu einem der beliebtesten Ziele der Welt.

Genuss: Preiswert und lecker Essen und Trinken

Man kann sehr gut und teuer essen in Singapur, aber auch schon für kleines Geld bekommt man vielfältiges und leckeres Essen. Ein besonderer Tipp und ein absolutes Muss zur Mittagszeit sind die geschäftigen Hawker Centres. Vielleicht ist es nicht die atmosphärischste Art zu Speisen, aber definitiv eine authentische und günstige Option im sonst eher teuren Singapur. Nur wenige der Hawker Centre sind bekannt, obwohl eigentlich fast jeder Wohnblock eines hat. Denn in Singapur lohnt es sich für den einzelnen kaum, zu Hause zu kochen und zu essen. Zudem speist man im Hawker stets in Gesellschaft.

Jeden Abend um 19.00 Uhr wird die Boon Tat Street gesperrt und der Boon Tat Street Food Market im Schatten der Hochhäuser geöffnet. Er schließt sich direkt an das wunderschöne und überdachte Lau Pa Sat Hawker Centre an. Es gibt so viele leckere Angebote, dass man sich kaum entscheiden kann.

Die heute existierenden und meist überdachten Hawker Centre entstanden aus ehemaligen Straßenständen, die von der Regierung aus hygienischen Gründen zusammengelegt wurden. Alle Stände werden regelmäßig kontrolliert und bewertet (die Schilder sind deutlich sichtbar) und die Preise für einzelne Gerichte sind tendenziell niedrig (meist 2 bis 7 S$, in touristischen Gebieten etwas teurer). Ein weiterer Vorteil: man kann gemeinsam an einem Tisch sitzen, doch jeder kann nach Lust und Laune bestellen, worauf er gerade Appetit hat. So muss man sich nicht für eine kulinarische Richtung entscheiden.

Neben allerlei Reis- und Nudelgerichten sollte man unbedingt die vielen Dim Sums und Wan Tans (Teigtaschen mit Gemüse und Fleisch, frittiert oder dampfgegart, oft auch in Suppe serviert) probieren. An vielen Ständen bekommt man chinesische Bao(zi), große gedämpfte Teigtaschen, die mit verschiedensten Dingen – süß (z.B. Bohnenpaste) und herzhaft – gefüllt sind. Einfach ein paar Portionen bestellen und teilen! Auch Satay-Spieße eignen sich dafür übrigens gut.

Eine weitere Besonderheit sind Laksa (eine Suppe auf Basis von Kokosmilch und Chili) und Rice-Congee (lange gekochter und zu einem sämigen, fast geschmacklosen Brei zerfallener Reis), der, ähnlich wie Porridge, mit verschiedenen Zutaten als herzhafte oder süße Variante gegessen werden kann.

Zum Essen trinken die Einheimischen meistens einen frischen Lassi, Kokosmilch oder Fruchtsäfte – am leckersten sind Zitrone oder Limette – oder Zuckerrohrsaft mit Eis (sehr süß!). Zum Nachtisch gibt es dann einen Kaffee mit Kondensmilch. Der ist nicht nur schwarz und stark, sondern vor allem unfassbar süß und weckt alle Lebensgeister.

An Straßenständen kann man oft Sandwicheis kaufen. Das ist meistens selbstgemacht und in vielen verschiedenen Geschmacksrichtungen erhältlich. Von der gewünschten Sorte wird eine Scheibe abgeschnitten und man bekommt sie zwischen zwei Waffelhälften gereicht. Wer sich traut kann die berühmt-berüchtigte Durian, die auch Stinkfrucht genannt wird, probieren...

Cold Stone Creamery
mehrere Filialen in der ganzen Stadt:
www.coldstonecreamery.com.sg

Wer auf Durian lieber verzichten möchte, dem sei diese Eisladenkette ans Herz gelegt. War auch für uns der Tipp einer lieben Freundin. Bei Cold Stone zahlt man zwar mehr, bekommt dafür aber auch frische Zutaten (in zum Teil verrückten Kombinationen) und allerbeste hausgemachte Eiscreme!

Stadtviertel: Einmal durch Asien und zurück

Die Faszination Singapurs geht vor allem von den vielen unterschiedlichen Stadtteilen aus, die die Stadt zu einem bunten Ganzen werden lassen. Als CBD (Central Business District) wird die Innenstadt von Singapur beschrieben, die sich aus verschiedenen Viertel zusammensetzt und einen spannenden Mix aus historischen Gebäuden und modernen Hochhäusern und Architekturen bietet.

Singapur, das häufig auch als „Schweiz Asiens“ bezeichnet wird, gilt als eine der sichersten Städte der Welt. Man bewegt sich am einfachsten und kostengünstigsten mit der Metro oder dem Bus fort, denn das Nahverkehrssystem ist extrem gut ausgebaut. Wer länger in der Stadt ist, sollte sich eine EZ-Link-Karte kaufen, mit der man ganz einfach an- und abtappen kann. Der Fahrtpreis wird pro Strecke berechnet. Essen und Getränke sind in der Metro übrigens strengstens verboten. Auch die stinkende Durianfrucht darf man nicht mit dem öffentlichen Nahverkehr transportieren.

Welche 10 Orte man in Singapur auf gar keinen Fall verpassen sollte steht in diesem Beitrag.

One Reply to “Singapur – Eine Stadt, viele Welten”

  1. Eine sehr interessante Stadt und die vielen Leckereien

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