Pucón – Im Antlitz des Vulkans

Die kleine Stadt Pucón liegt am südlichen Ufer des 176 Quadratmeter großen Lago Villarrica. Früher eher ein Ferienort der Reichen empfängt Pucón heute alle Arten von Touristen und bietet für jede Preisklasse etwas. Außerhalb der Hauptsaison (die dauert von Dezember bis Februar), in der sich vor allem chilenische Besucher aus dem nur eine halbe Tagesreise entfernten Santiago dicht an dicht drängen, ist es dort durchaus gemütlich.

Pucón ist ein ausgezeichneter Ausgangspunkt für allerlei Outdoor-Aktivitäten, im Sommer wie im Winter: Kletter- und Wandertouren, Rafting, Fischen, Reiten, Canyoing, Skifahren etc. Und das alles vor dem einzigartigen, spektakulären Panorama des immer noch aktiven Volcán Villarrica. Der schneebedeckte Vulkan ragt majestätische 2.847 Meter hinter Pucón auf.

Der Villarrica gilt als einer der aktivsten Vulkane in Chile. 1558 wurde der erste Ausbruch aufgezeichnet. Seitdem waren es rund 50 unterschiedlichen Ausmaßes. Im Jahr 2015 fand die letzte stärkere Eruption statt. Wegen des Ausbruchs wurden rund 3600 Menschen evakuiert und der Vulkan durfte einige Zeit nicht bestiegen werden. Die vulkanischen Gasemissionen des Villarrica werden ständig von einem Analysesystem gemessen, um die Aktivitäten des Vulkans besser einschätzen und voraussagen zu können.

Hinweisschilder zu den Fluchtwegen bei einem möglichen Vulkanausbruch sind in der ganzen Stadt zu finden. Auch ein Ampelsystem (rot-gelb-grün) am Informationszentrum zeigt die aktuelle Aktivität und damit einhergehende Gefahr des Volcán Villarrica an.

Die Spanier erreichten die Gegend um den Lago Villarrica bereits 1551, mussten sich allerdings aufgrund der anhaltenden Gegenwehr der einheimischen Mapuche – die heute in einem Reservat leben – wieder zurückziehen. Ende des 19. Jahrhunderts kamen dann die ersten europäischen Siedler an und gründeten Pucón. Vor allem einige Deutsche haben in der kleinen Stadt Spuren hinterlassen, sodass man dort durchaus typisch deutsches Weihnachtsgebäck und Kuchen findet.

Auf wilde Flussfahrt gehen

Neben dem Besuch zweier Nationalparks (Villarrica und Huerquehue) bieten sich nahe Pucón auch mehrere Flüsse für Wassersport an. Eine besonders lustige und nasse Angelegenheit ist Rafting. Der weitestgehend ruhige Río Trancura ist vor allem für Anfänger (bis Klasse III) geeignet. Dennoch gibt es dort inmitten schönster Natur einige rasante Stromschnellen. Wer es noch etwas wilder mag, der kann sich auch schon etwas früher in den Fluss stürzen (Klasse IV bis V).

In heißen Quellen entspannen

Rund um Pucón gibt es aufgrund der Vulkanaktivität viele heiße Quellen, die durch zahlreiche baños termales (Thermalbäder) zugänglich gemacht werden. Ein Besuch kann angenehm entspannend sein. Vor oder nach der Besteigung des Vulkans lockert das warme Wasser wunderbar die Muskeln.

Einen aktiven Vulkan besteigen – unser persönliches Highlight!

Ein ganz besonderes Erlebnis in Pucón ist sicherlich die Besteigung des Volcán Villarrica. Perfekt und kegelförmig liegt der Vulkan in der Morgensonne vor uns. Seine schneebedeckte Spitze ist wolkenfrei und aus dem Krater steigen kleine Rauchschwaden auf. Gut, dass wir extra zwei Nächte länger geblieben sind, um den Villarrica bei schönem Wetter zu besteigen. Besser hätte es nicht sein können!

Der Volcán Villarrica ist einer der wenigen, weltweit bekannten Vulkane mit einem Lavasee in seinem Krater. Vermehrte Regenfälle, geschmolzener Schnee und Gletschereis können zu Ausbrüchen (wie sie 1964 und 1971 geschahen) führen. Er ist auch bekannt als Rucapillán, was in der Sprache der Mapuche „Haus des Pillan“ bedeutet. Während der Sommermonate kann der Vulkan im Rahmen geführter Touren – wie wir eine gemacht haben – erklommen werden. Im Winter (meist von Juli bis September) hingegen kann man auf der Nordseite Skifahren.

Zu früher Stunde (6.00 Uhr) geht es los im Büro des Tourenanbieters Patagonia Experience zur Anprobe des benötigten Equipments (Schuhe, Steigeisen, Schneehose und Windjacke, etc.). Rund 20 Kilometer trennen uns von unserem Startpunkt auf 1.420 Metern. Von dort aus ist der Blick ins Tal, auf Pucón und den Lago Villarrica bereits fantastisch und ausnahmsweise wolkenfrei.

Dort trennt sich die Gruppe. Für die ersten, recht steilen 400 Meter des Aufstieges kann man alternativ auch den Skilift zur Bergstation nehmen. Der fährt allerdings nicht immer (wetterabhängig) und kostet CLP 10.000 extra. Wir entscheiden uns für Laufen, das kommt uns irgendwie besser, echter vor. Ein bisschen haben wir es unterwegs bereut, denn man kommt dadurch bereits in der ersten Stunde ordentlich ins Schwitzen. Doch dafür fühlt es sich dann oben umso besser an!

Weiter geht es über Vulkangeröll an den Überresten einer zerstörten Liftstation vorbei – sie ist dem letzten Ausbruch des Villarrica zum Opfer gefallen. Hier müssen wir nun die Steigeisen anlegen, denn auf uns warten einige Stunden Schnee- und Eiswanderung.

Durchs weite Weiß geht es von dort aus im Zickzack und an Schneewehen vorbei immer weiter den Vulkan hinauf. Glänzende Eisflächen, die sich auf recht frisch gefallenem Schnee gebildet haben, glitzern zauberhaft in der Sonne.

Der Blick ins Tal ist ein wenig wolkenverhangen, aber wunderschön. Wie weit das Auge mal wieder schauen kann, so hoch oben!

Vor uns liegen nun noch einige Höhenmeter vereiste Schotterhänge aus Vulkangestein. Immer noch kann man erkennen, welche Spuren der letzte Ausbruch des Villarrica hinterlassen hat. An manchen Stellen ziehen sich lange Furchen den Hang hinab.

Mit der Gasmaske und wegen der Höhe etwas schwer atmend bringen wir die letzten Meter hinter uns. Wir stehen schließlich am vereisten (!) Rand des Kraters, blicken so gut es geht hinein und warten darauf, dass glühend heißes, flüssiges Gestein herausspritzt.

Wir haben es geschafft! Ohne Sessellift, dafür aber mit Steigeisen, Eispickel und Gasmaske haben wir die „Spitze“ des Volcán Villarrica erklommen und sogar feuerrote Lava aus dem Krater spritzen sehen. Ein grandioses Naturschauspiel. Und ein ziemlich verrückter Gedanke, dass da unter uns etwas viele tausend Meter tief in der Erde sprudelt und oben beißenden Schwefelgestank produziert.

Der oberste Teil des Villarrica ist dauerhaft von Schnee sowie einer Gletschereisschicht an der südöstlichen Flanke bedeckt. Von früheren Ausbrüchen und gelegentlichen Ascheausstößen bedecken an manchen Stellen bis zu 5 Zentimeter Asche den Gletscher und isolieren ihn. Dennoch schrumpft der Gletscher kontinuierlich, jedes Jahr ein kleines Stückchen.

Hinter uns eröffnet sich ein ebenso gigantisches Panorama, denn dort ragen die Vulkane Llaima, Choshuenco, Quetrupillán, Lanin und Lonquimay in den blauen Himmel.

Wir genießen die Aussicht und die faszinierenden Gebilde der Natur auf fast 3.000 Metern Höhe. Der Wind pustet uns ordentlich durch und wir sind froh über die Gasmaske (auch wenn man damit irgendwie aussieht wie von einem anderen Planeten) gegen die Schwefeldämpfe, die ständig aus dem Krater aufsteigen.

Zeit für den Rückweg. Einen Teil der Strecke müssen wir zunächst wieder hinuntersteigen, doch danach beginnt der ziemlich lustige und schnelle Teil des Abstiegs. Nicht umsonst haben wir schließlich spezielle wasserdichte Rutschhosen den Berg hinaufgetragen. Durch schmale Rinnen im Schnee geht es mit Schneegleitern rasant den Vulkanhang hinunter. Sie verlaufen unterschiedlich steil den Berg hinunter und lassen uns in kürzester Zeit die zuvor mühsam hochgekraxelte Strecke überwinden. In Kurven und zum Bremsen kommt der Eispickel zum Einsatz. Nach nur wenigen Minuten sind wir wieder dort, wo wir einige Stunden zuvor die Steigeisen angelegt haben.

Eine weitere Stunde geht es über Geröll und feinen Lavasand über die Bergstation des Sesselliftes und dann weiter links daran vorbei bis zum Parkplatz. Was für eine antrengende, aber wahnsinnig tolle Erfahrung! Die Besteigung des Villarrica gehört (für uns) definitiv zu den einzigartigsten und atemberaubendsten Aktivitäten in Pucón und vielleicht sogar in ganz Chile.

Reisetipps

RAFTING
Für unsere Tour in den Stromschnellen des Río Trancura haben wir uns für die Agentur Sur Adventure entschieden. Das rund dreistündige Abenteuer (mit Anfahrt, etc.) hat dort CLP 15.000 pro Person gekostet.

THERMEN
Wir waren in den Termas de Menetúe (in unserem Tourenpreis für die Vulkanbesteigung enthalten) einige Kilometer außerhalb von Pucón. Die Anlage liegt ruhig und war (unter der Woche) nicht besonders voll. Es gibt mehrere Badebereiche innen und außen. Leider waren die Innenräume nicht beheizt, so dass es außerhalb des Wassers sehr kalt war. Zusätzliche Anwendungen (Massagen, Sauna) können gegen einen Aufpreis gebucht werden und es gibt ein Restaurant.

VULKANBESTEIGUNG
Die Besteigung des Villarrica erfordert prinzipiell keine besonderen Vorkenntnisse im Bergsteigen. Eine gewisse Grundfitness sollte man allerdings mitbringen, denn das Wandern mit Steigeisen und Eispickel ist mitunter sehr anstrengend.

Ein bisschen Zeit sollte man übrigens auch mitbringen – am besten einige Tage für Pucón einplanen –, denn man weiß nie, wie das Wetter wird oder der Vulkan sich verhält. An manchen Tagen ist eine Besteigung einfach nicht möglich.

Wir haben für unsere Tour mit Patagonia Experience CLP 80.000 (inklusive Thermalquellen) bezahlt. Das war ein super Preis, Service und Equipment waren sehr gut und auch die Guides waren motiviert. Das ist wohl nicht immer der Fall. Die Agentur Pathfinder Mountain Guides hat uns auch einen guten, professionellen Eindruck gemacht. Dort kann man allerdings nur in bar bezahlen (Stand: Dezember 2016).

Alternativ kann man auch den weniger bekannten Volcán Quetrupillán (2.360 Meter) besteigen. Das ist mit rund CLP 50.000 etwas günstiger und man kann von seinem Krater aus auf den Villarrica blicken.

Ein Kommentar bei „Pucón – Im Antlitz des Vulkans“

  1. Das war ja ein toller Austieg und sicher auch sehr anstrengend., aber es hat sich doch gelohnt.

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