Melaka – 48 Stunden bei den Baba-Nyonya

Fährt man mit dem Bus von Kuala Lumpur aus nur etwa zwei Stunden in den Süden, erreicht man die UNESCO-Weltkulturerbestadt Melaka. Rund 370.000 Einwohner hat diese bereits und wirkt doch verhältnismäßig überschaubar. Mitten hindurch fließt ein Fluss, der die Altstadt in zwei Bereiche teilt. Früher war die Stadt komplett von dichtem Regenwald umgeben, der immer weiter der landwirtschaftlichen Nutzung weichen musste.

Immer schon eine wichtige Durchfahrt für Handelsschiffe zwischen Indien und China, passieren bis heute schätzungsweise 2000 Containerschiffe täglich die Malacca Straits (Straße von Malakka) zwischen der malaiischen Halbinsel und der Insel Sumatra. Der natürliche Hafen von Melaka ist umgeben von kleinen Inseln und daher gut gegen Unwetter geschützt.

„Melaka“ ist übrigens die einheimische, malaiische Schreibweise des Stadtnamens, aber nicht die einzige. Auf Deutsch liest man meistens „Malakka“ und im Englischen heißt es „Malacca“. So vielfältig wie ihre Namen ist auch die Geschichte der Stadt. Sie wurde geprägt von chinesischen und europäischen Einflüssen, die zum Teil bis heute in der Architektur und Kultur sichtbar sind.

In die Geschichte der Stadt eintauchen

Die Stadt ist ein kulturelles Mosaik, dass sich aus Elementen aller Besatzungsmächte zusammensetzt. Die Chinesen, Portugiesen, Holländer und Engländer hinterließen ihre Spuren, die heute den Reiz der Altstadt ausmachen.

Bereits der griechische Geograph Claudius Ptolemäus entdeckte im zweiten Jahrhundert nach Christus die Halbinsel des heutigen Melaka, die er Chryse Chersonesos (Goldene Halbinsel) nannte.

Von den Chinesen wurde die Stadt bis ins späte 14. Jahrhundert als Handelsplatz für Gewürze (vorrangig Pfeffer) und Sandelholz genutzt und war eine Art chinesische Kolonie. Der Handelshafen zog schnell auch andere Nationen wie Araber und Inder an, die mit den chinesischen Händlern ihre Waren tauschten.

Im Jahr 1402 gründete man schließlich das Sultanat von Malakka, das seitdem von verschiedenen (muslimischen) Sultanen regiert wurde. Zuletzt unter den Portugiesen, die die Halbinsel 1509 erreichten und zwei Jahre später die Stadt eroberten. 1528 verließ Sultan Mahmud 1528 Melaka und überließ es den Portugiesen, die bis 1641 herrschten. In dem Jahr mussten sie sich den Niederländern geschlagen geben. Sie nahmen die Stadt ein und regierten sie bis 1824, nur unterbrochen von der britischen Besetzung in den Napoleonischen Kriegen. Erst 1957 wurde Melaka als Folge der Entkolonialisierung unabhängig, nachdem die Halbinsel über ein Jahrhundert zum britischen Reich gehört hatte.

5 Highlights in Melaka entdecken

In Melaka kann man gut ein, zwei Tage verbringen und sich dabei einfach durch die Straßen treiben lassen. Man wird immer etwas Tolles entdecken. Auf einige Sehenswürdigkeiten und Stadtviertel sei aber im Besonderen hingewiesen.

01 - Nächtlichen Trubel erleben

Nicht nur tagsüber, sondern vor allem am Abend sind die Straßen Melakas gut gefüllt mit Einheimischen und Touristen. Charmant liegen einige beleuchtete Lokale rechts und links des Flusses und verleihen der abendlichen Stadt einen ganz besonderen Charme. Ein ganz persönliches Highlight waren für uns die bunt-blinkenden Fahrrad-Rikschas.

Die Jonker Street ist das Herzstück der Altstadt. Vor allem abends und am Wochenende herrscht hier tagsüber wie abends reges Treiben. Für den Jonker Street Night Market wird von Freitag bis Sonntag ab 18.00 Uhr die gesamte Straße für den Autoverkehr gesperrt und ist kurze Zeit später gesäumt von Essensständen, die allerlei malaiische und chinesische Leckereien verkaufen.

Besonders beliebt sind sogenannte Dim Sum, was übersetzt so viel heißt wie "das Herz berührend". Die kleinen, meist gedämpften oder frittierten Gerichte, sind quasi das chinesische Fingerfood.

Ganz am Ende steht an einer Gabelung eine große Bühne auf der den ganzen Abend Karaoke gesungen wird. Vornehmlich von älteren Leuten, die eher wenig Spaß zu haben schienen... Die Plastikstühle davor waren allerdings ganz gut besucht, wobei der eine oder andere nur ein kurzes Schläfchen zu machen schien.

Ein besonderes Highlight sind die sogenannten Trishaws, dreirädrige Fahrrad-Rikschas, die den ganzen Tag über Touristen durch Melaka kutschieren. Vor allem am Abend kommen die extrem kitschig dekorierten Gefährte – zum Beispiel in Pink mit Hello Kitty oder in Gelb mit den Minions – gut zur Geltung. Dann sind sie nämlich zusätzlich beleuchtet und machen durch ohrenbetäubende Musik auf sich aufmerksam. Eine Fahrt kostet etwa RM 40 (ca. 8 Euro) pro Stunde.

Besonderheiten probieren

Neben einigen recht normalen Speisen (z.B. Dim Sum oder Egg Tarts) findet man auf dem Nachtmarkt auch besondere Dinge, wie Otak-otak (längliches Fischküchlein in Bananenblatt), den Raindrop Cake (Regentropfenkuchen) oder Dragon´s Breath (Drachenatem). Also Augen auf und in aller Ruhe auf (kulinarische) Entdeckungsreise gehen!

02 - Die Altstadt entdecken

Die heutige Altstadt von Melaka gehört seit 2008 zu großen Teilen zum UNESCO-Weltkulturerbe. Sie erstreckt sich auf beiden Seiten des Melaka River. Dort findet man in unmittelbarer Nachbarschaft eine Moschee und mehrere buddhistische sowie hinduistische Tempel und viele alte Stadthäuser.

Zentrum ist der Town Square mit der Christ Church (von 1741), dem Clocktower (Uhrenturm) und dem roten Stadthuys, das viele Jahrhunderte als Rathaus der Stadt diente und heute mehrere Museen (RM 10) beherbergt. Erbaut wurde es um 1650 von den Niederländern. Rund um die zentrale Victoria Fountain (Brunnen) reihen sich zahlreiche bunt geschmückte Trishaws aneinander und warten auf Kundschaft.

Überquert man vom Hauptplatz aus den Melaka River gelangt man in einen weiteren Teil der Altstadt, der auch als Chinatown bekannte ist. Bis heute wird er vor allem von den vielen schmalen Straßen geprägt, die die verschiedenen Kolonialmächte hinterlassen haben: Jalan Tun Tan Cheng Lock (ehemals Heerenstraat), Jalan Hang Jebat (ehemals Junk- oder Jonkerstraat) und die Jalan Tokong Besi (auch bekannt als Harmony Street). 

Mehrere Tempel, Moscheen, viele kleine Handwerksläden, Cafés und Restaurants säumen diese. Unter anderem werden beispielsweise Dinge aus Papier verkauft – von der Cola Dose bis zum Ferrari oder der Gucci-Tasche –, die für die verstorbenen Ahnen verbrannt werden.

Traditionelle chinesische Wohnhäuser beheimaten heute Geschäfte oder Hotels. Auch einige chinesische Tempel können besucht werden. Der größte und bekannteste ist der 1645 gegründet Cheng Hoon Teng Temple, der auch der älteste chinesische Tempel in ganz Malaysia sein soll. Typisch für chinesische Tempel ist er mit viel Rot und Gold verziert. Auch ein Blick in das verschachtelte Innere, den Haupt- und mehrere Nebenaltäre lohnt sich. Über dem Ganzen liegt immer ein eindrücklicher Duft nach Räucherstäbchen.

Ebenfalls in der Jalan Tokong Besi befindet sich die Kampung Kling Mosque, die eine der ältesten Moscheen Malaysias ist. Durch ihren einzigartigen Baustil ist das auf den ersten Blick fast gar nicht zu erkennen. Denn statt eines Minaretts hat sie einen Turm, der eher an eine chinesische Pagode erinnert. In ihrem Design vermischen sich Elemente aus der chinesischen, hinduistischen sowie malaiischen Bauweise.

Alte Wohnhäuser und Ladengeschäfte im niederländischen Stil vermitteln vor allem in der Heerenstraat und der Jonkerstraat das Gefühl einer kleinen Zeitreise in die Kolonialzeit der Niederländer. Die schmalen Häuser mit den großen, herunterklappbaren Läden sind zum Teil sehr heruntergekommen, werden aber zunehmend unter Denkmalschutz gestellt. Ein kürzlich renoviertes Gebäude kann man in der Heerenstraat No. 8 besichtigten.

Es gibt ein Prospekt mit einem Weg durch Melaka, der entlang der niederländischen Gebäude der Stadt führt und ihren Werdegang zwischen 1641 bis 1824 erzählt. In nur etwa drei Stunden kann man so 183 Jahre Geschichte erleben! Mehr Infos zum Malacca Dutch Heritage Trail.

榮茂茶室 Low Yong Moh 
32 Jalan Tokong, 75200 Melaka
Mittwoch bis Montag von 5.00 bis 13.00 Uhr geöffnet, Dienstag geschlossen

Hier bekommt man ganz typisches chinesisches Frühstück, wie bao oder dim sum (je ca. RM 3), und dazu „Kaffee“ (sehr süüüß) mit Blick auf die direkt gegenüberliegende Kampung Kling Mosque. Das Restaurant ist vor allem bei Einheimischen sehr beliebt. Essen kommt direkt vom Tablett, bezahlt wir am Schluss.

Nancy's Kitchen
13, Jalan KL 3/8, Taman Kota Laksamana
Sonntag bis Donnerstag von 11.00 bis 17.00 Uhr, Freitag und Samstag von 11.00 bis 21.00 Uhr geöffnet; am Dienstag geschlossen.
www.eatatnancyskit.com

Das Lokal liegt ein wenig außerhalb der Altstadt, ist aber zu Fuß immer noch gut zu erreichen. Man bekommt gutes und typisches Baba-Nyonya-Essen. Es ist nicht so preiswert wie in den Garküchen, dafür sitzt man ganz gut. Am besten bestellt man verschiedene Teller mit einzelnen Speisen und teilt diese.

03 - Museen in Melaka besuchen

Melaka ist nicht nur eine Stadt voller historischer rchitektur, sondern hat auch mehrere sehr unterschiedliche Museen zu bieten. Darunter das Baba & Nonya Heritage House und ein großes Geschichtsmuseum.

Das ehemalige Rathaus Melakas, das Stadthuys, diente auch als Residenz des Governors und ist heute Heimat des History Museums (Geschichtsmuseum), das – neben der malaiischen Lebensweise – auch von der malaysischen Sichtweise der Kolonisierung erzählt.

Die Jalan Kota, die auch Museum Row (Museumsreihe) genannt wird, ist gesäumt von mehreren historischen Gebäuden, einige davon im typischen Rot der Niederländer gehalten, die heute verschiedene Museen beherbergen. Wir haben zum Beispiel das People´s & Kite Museum angeschaut, in dem man unter anderem mehr über die Bewohner Melakas erfährt. Ein Besuch lohnt sich nur, wenn man wirklich etwas Zeit übrig hat.

In einem besonders schön erhaltenen Gebäude mitten in Chinatown befindet sich das Baba & Nyonya Heritage Museum. Es vermittelt einen lebendigen Eindruck der Kultur und Lebensweise der ersten Siedler von Melaka, die sich vor über sechshundert Jahren niederließen. Ihre Kinder nannte man Peranakan (malaiisch für „Ortsgeborene“) und der Begriff Baba-Nyonya bezieht sich heute vor allem auf die chinesisch stämmigen Peranakan. Eine solche Familie lebte zwischen 1861 und 1985 in dem Haus, bis sie es zum Museum erklärten. Innen darf man leider keine Fotos machen...

Stadthuys / History Museum
Dutch/Town Square, 75000 Melaka
täglich von 9.00 bis 17.30 Uhr geöffnet
Der Eintritt (für drei Museen) kostet RM 10.

Baba & Nyonya Heritage Museum
48 & 50, Jalan Tun Tan Cheng Lock
Täglich geöffnet, mehr Informationen hier:
www.babaynyonyamuseum.com
Der Eintritt (inkl. Führung) kostet RM 16.

04 - Aussicht genießen

Vom St. Pauls Hill kann man eine 360°-Aussicht auf die Stadt bis hin zur Küste genießen. Auf und um den Hügel herum gibt es viele Überbleibsel der kolonialen und einen Nachbau der vorkolonialen Kultur.

Vom roten Hauptplatz Melakas kann man über einige Treppenstufen hinauf zur St. Pauls Church laufen. Sie befindet sich auf dem gleichnamigen Hügel und ist nicht viel mehr als eine steinerne Ruine. Die Kirche wurde von den Portugiesen errichtet, von den Niederländern umbenannt und anschließend 112 Jahre lang genutzt. Danach wurde sie dem Verfall überlassen. Vor der St. Pauls Church steht eine weiße Statue des Jesuitenmönchs St. Francis Xavier, der von 1545 bis 1552 in der kleinen Kirche predigte.

Von dort aus hat man einen tollen Ausblick über die Stadt und bis aufs Meer hinaus.

Am Fuße des Hügels befindet sich die Porta de Santiago, ein Tor, das Teil der ehemaligen, portugiesischen Festung A´Famosa war. Sie wurde ab 1511 nach der Eroberung der Stadt durch die Portugiesen erbaut. Leider haben die Briten im 19. Jahrhundert große Teile der Festung abgetragen. Die Überreste vermitteln allerdings einen Eindruck, wie imposant der Komplex einmal gewesen sein muss.

Der nebenan gelegene Melaka Sultanate Palace ist eine Nachbildung des malaiischen Sultanspalasts. Das große Gebäude beherbergt das Kulturmuseum mit über 1.300 historische Gegenstände aus Melaka, darunter Schmuck, Waffen und Figuren.

Melaka Sultanate Palace Museum
Jalan Kota, 75000 Melaka
täglich (außer Dienstag) von 9.00 bis 17.30 Uhr geöffnet
Der Eintritt kostet RM 5 (ca. 1,00€).

Restoran Selvam
3, Jalan Temenggong, Bandar Hilir
täglich von 7.00 bis 22.00 Uhr geöffnet

In diesem Restaurant wird alles auf einem großen Banana Leaf (Bananenblatt) serviert. Der Service ist freundlich, das Essen super lecker! Auch wenn man vielleicht nicht immer genau weiß, was es ist. Ein Essen kostet etwa RM 10.

05 - Am Fluss entlangspazieren

Man kann eine 45-minütige Bootsfahrt auf dem Melaka River machen (Kostenpunkt ca. RM 26) oder man spaziert einfach zu Fuß an dessen Ufern entlang. Dabei kann man unter anderem Straßenkunst und ein altes Schiff entdecken.

Läuft man Richtung Meer an der Touristeninformation und den Überresten einer ehemaligen Festungsanlage vorbei, gelangt man zu einer originalgetreuen Nachbildung der portugiesischen Galeere „Flor de la Mar“, die im 16. Jahrhundert vor der Küste Melakas gesunken ist. Sie gehört zum Maritime Museum und kann besichtigt werden (RM 10).

Entlang des Flusses reihen sich mehrere Bars und Restaurants bei denen man abends auf der Terrasse sitzen und etwas trinken kann. In einigen Nebenstraßen sowie auf der dem Fluss zugewandten Seite zieren große Wandgemälde die Fassaden. Besonders bunt ist die Gasse am Ende der Jalan Tukang Besi, die bis ans Wasser führt.

Frische Wassermelone essen/trinken

Man sollte unbedingt einen frischen Obstsaft probieren. Gleich mehrere kleine Verkaufsstände bieten gegenüber vom Town Square zum Beispiel „fresh watermelon juice“, frischen Wassermelonensaft (ca. RM ­8) an. Der wird mit einem Mixer in der Melone hergestellt und direkt mit einem Strohhalm daraus getrunken – ziemlich cool!

Extra - Free Walking Tour machen

An mehreren Tagen in der Woche finden kostenfreie Stadtführungen statt. Sie geben einen guten Überblick der Stadt und einen Einblick in ihre vielfältige Geschichte.

Für die Free Walking Touren am Dienstag, Donnerstag und Samstag muss man sich zuvor in der Touristeninformation (am Town Square) registrieren und sollte daher einige Minuten vor Beginn da sein.

Ein Erlebnis der besonderen Art

Wir hatten an unserem letzten Abend zufällig das Glück, auf dem Rückweg vom Abendessen einem Teil einer Zeremonie in einem kleinen chinesischen Tempel beizuwohnen, der innen und außen feierlich geschmückt war. Ziemlich laut, aber auch total spannend!

Reisetipps

ANREISE
Von Kuala Lumpur aus reist man am besten mit dem Bus nach Melaka. Die Fahrt dauert nur wenige Stunden und kostet um die RM 12 (ca. 2,50€). Abfahren kann man wahlweise vom großen Busterminal Bersepadu Selata (TBS) oder direkt vom Flughafen (KLIA/KLIA2). Tickets kann man online oder vor Ort kaufen.

VOR ORT
Das Melaka Sentral Bus Terminal (Jalan Tun Abdul Ruzak) liegt etwa 4,5 Kilometer außerhalb des historischen Stadtkerns. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es eigentlich im Zentrum nicht, dieser ist aber wirklich gut zu Fuß zu erkunden. Zwischen Busbahnhof und Stadtzentrum gibt es eine Busverbindung (Town Bus 17 ab Bussteig 17) oder man nimmt ein Taxi.
Es gibt recht viele Mücken in Melaka, abends sollte man daher immer eine lange Hose tragen und ausreichend Mückenspray verwenden.

Tschüss liebe Turnschuhe, ihr habt treue Dienste geleistet (nicht nur während der Weltreise)!

One Reply to “Melaka – 48 Stunden bei den Baba-Nyonya”

  1. Die Armen, so viel Weg schon geschafft. Wer weiß, wo sie noch hinkommen..

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