Maras – Wo weißes Gold gewonnen wird

Nicht nur der touristische, sondern auch der Weg auf eigene Faust führt zu einem ziemlich magischen und noch nicht ganz so von Besuchern überfluteten Ort in der Nähe von Cusco: Maras. Hier befindet sich auf über 3.300 Metern die höchstgelegenste Salzfarm der Welt, die schon von den Inka bewirtschaftet wurde, um das „weiße Gold der Anden“ zu ernten.

Maras ist ein kleiner Ort im Heiligen Tal der Inka, etwa 40 Kilometer nördlich von Cusco. Die Bewohner leben fast ausschließlich vom Salzabbau und den Touristen, die sich ihre Arbeit anschauen. Den Besuch der Salineras kann man sehr schön mit einer kurzen Wanderung verbinden. Diese beginnt in Tarabamba, einem kleinen Ort am Río Urubamba bzw. hier heißt er auch Río Vilcanota (Heiliger Fluß), wo man eine Hängebrücke überquert und dort erst einmal an einem kleinen Häuschen den Eintritt entrichtet (S/. 10). Danach folgt man etwa 3 Kilometer den vorgegebenen Wegen den Berg hinauf. Die freundlichen Bewohner sind an Touristen gewöhnt und helfen gerne weiter bei der Wegfindung.

Man kann sie schon von Weitem erspähen, die Salineras de Maras. Wie ein abstraktes Gemälde breiten sich die Salzbecken an den steilen Hängen mitten in der Cordillera Urubamba aus. Wundersam weiß schillern sie zwischen den grün-braunen Bergen. Bei richtiger Sonneneinstrahlung changieren die Farben der glitzernden Becken von schneeweiß bis schlammbraun und ergeben zusammen ein wunderbares, vielseitiges Bild.

Die unzähligen Terrassen (rund 3.000 sollen es sein) werden von einem kleinen Bach bewässert, der salzhaltiges Wasser von einer Quelle aus dem Berg Qaqawiñay führt. Seit der Inkazeit speist die Solequelle bereits die Becken zur Salzgewinnung. Sie schufen das weiße Labyrinth aus Terrassen und kleinen, wasserführenden Kanälen vor rund 1.000 Jahren durch Menschenhand und bis heute wird hier auf natürlichem Wege Salz geerntet.

Der Ursprung der salzigen Quelle bleibt jedoch ein Mysterium. Der Legende nach entstand das Salz aus den Tränen von Ayar Cachi, einem der Brüder des Gründers von Cusco, Manco Cápac. Er starb aus Gram darüber, dass nicht er es war, der Cusco und damit das Inkareich begründete. Seine Tränen wurden von der Sonne getrocknet und formten die rosa bis lila scheinenden Salzbecken.

Seit Generationen sind die Salzbecken im Besitz der Dorfgemeinschaft und werden in den einzelnen Familien immer weitervererbt. Die Gemeinschaft der Inka war sehr sozial. Abhängig von der Familiengröße bekam man eine bestimmte Anzahl an Salzfeldern zugewiesen, um den eigenen Bedarf zu decken und auch ein Tauschmittel für andere Güter zu haben. Jeder Salzbauer bewirtschaftet etwa 5 bis 10 Felder. Sieben Tage in der Woche kann man sie vom frühen Morgen bis Sonnenuntergang bei der Bearbeitung und der Ernte beobachten. Bis heute ist der weiße Rohstoff eine wichtige Lebensgrundlage der regionalen Bevölkerung.

Die Qualität des gewonnen Salzes hängt auch von den Fertigkeiten des einzelnen Bauern ab.
Wie feine Adern wirken die Salzkrusten auf dem roten Boden.

Im peruanischen Hochland wird das Salz von Mai bis ungefähr August/Oktober mit Hochdruck geerntet. Denn danach liegen die Terrassen aufgrund der Regenzeit einige Monate (bis April) brach. Zu Beginn jeder neuen Saison müssen die Salzbecken gereinigt werden, damit sie wieder zur Gewinnung des „weißen Goldes“ genutzt werden können.

Jedes Becken ist rund 25 bis 30 Zentimeter tief, nicht größer als 4 Quadratmeter und vieleckig. Der Wasserzufluss wird von den Salzbauern sorgsam beobachtet und reguliert. Das hineingeleitete Wasser verdunstet durch die Sonneneinstrahlung und lässt zunächst an der Oberfläche weiße Salzkristalle entstehen. Nach rund drei Tagen bleibt das Salz auf einer schlammigen Sole in kristalliner Form zurück, wird anschließend abgetragen und in Säcken gesammelt. Zu Granulat verarbeitet machen sich die Salzkristalle auf großen LKWs nach Lima auf, von wo aus sie in die ganze Welt verschifft werden.

Denn das Salz aus Maras wird – früher wie heute – sehr geschätzt und als Speisesalz verschiedener Qualität weltweit exportiert. Leider verdienen die hart arbeitenden Bauern daran immer noch am wenigsten. Daran konnte bisher auch der Zusammenschluss zu einem Kollektiv nicht viel ändern – Gewinner bleibe die großen Exporteure.

Den Wert des „weißen Goldes“ erkannten im 16. Jahrhundert bereits die spanischen Eroberer und plünderten nicht nur die Silber- und Goldschätze der Minen, sondern auch die Salzvorkommen Perus.

In Geschäften beim (offiziellen) Besuchereingang kann man übrigens kleine (oder auch größere) Säckchen mit Salz in verschiedener Qualität oder mit Gewürzen verfeinert kaufen. Der Erlös sowie einem Großteil des Eintrittsgeldes gehen direkt an die Salineros (Salzbauern).

Reisetipps

Eine organisierte Fahrt von Cusco nach Maras kostet rund S/. 30, bringt einen aber zusätzlich auch noch nach Moray, zu den berühmten Inkaterrassen, wenn man möchte – für den Eintritt benötigt man allerdings das (teure) boleto turistico.

Die individuelle Anreise nach Maras bzw. zu den Salzfeldern ist ein kleines bisschen abenteuerlicher, aber im Grunde einfach und sehr viel kostengünstiger. Von Cusco aus fährt man vom zentralen Busbahnhof aus mit einem Bus (ca. S/. 4) oder mit einem Collectivo (S/. 6, starten an verschiedenen Orten in der Stadt) nach Urubamba. Die Fahrt dauert ungefähr eineinhalb Stunden. Von dort nimmt man einen Bus Richtung Ollanta, der einen nach 5 Kilometern in Tarabamba raus lassen soll (S/. 1).

Ein etwa 3 Kilometer langer Wanderweg über einen mittelsteilen Pfad bringt einen vom Dorf aus zu den Salzterrassen. Dazu überquert man über eine Hängebrücke den Río Urubamba und bezahlt seinen Eintritt für die Salinas de Maras (S/. 10). Die Wege am Berg entlang sind so ausgetreten, dass man sich eigentlich nicht verlaufen kann. Nach kurzer Zeit sieht man das Ziel auch schon zwischen den Bergen weiß blitzen.

Auf gleichem Wege kommt man auch wieder zurück nach Cusco.

2 Kommentare bei „Maras – Wo weißes Gold gewonnen wird“

  1. Wieder einmal war es sehr interessant, mit euch zu den Inkas zu “reisen” und die Bilder sind ja wohl toll 🙂 !! Da ist bestimmt einiges an Speicherkapazität drauf gegangen 😂!!

  2. Sehr beeindruckend und wieviel Arbeit darin steckt.Es ist traurig, das die Bauern nicht viel für ihre Arbeit bekommen.

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