Christchurch – Phönix aus der Asche

Eine Mischung aus historischen Gebäuden, moderner Kultur und Baustellen – Christchurch ist eine Stadt, die sich gerade neu erfindet, neu erfinden muss. Seit den verheerenden Schäden der Erdbeben 2010 und 2011 hat sie sich verändert. Doch nicht nur das Stadtbild hat sich gewandelt, auch seine Bewohner und die Atmosphäre. Der Zusammenhalt aller und der Wille zum Helfen, Improvisieren und zusammen Neues schaffen sind gewachsen. Baustellen, temporäre Bauten und Street Art prägen heute die Innenstadt von Christchurch. Viele neue Gebäude werden derzeit errichtet und neue Projekte angestoßen, nachdem die Erdbeben so vieles zerstört haben.

Die Besiedlung der Region Christchurch begann archäologischen Funden zufolge bereits um 1000 nach Christus, als Jäger des mittlerweile ausgestorbenen Moa (stammt aus der Familie der Laufvögel). Im 16. Jahrhundert folgten ihnen die Waitaha, ein Stamm, der von der Ostküste der Nordinsel übersiedelte, und bis etwa 1830 weitere Stämme. Die Māori nannten die Stadt Ōtautahi, nach einem ihrer Häuptlinge, der am Avon River siedelte. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts kamen nach und nach immer mehr Europäer an.

Offiziell ist Christchurch die älteste Stadt Neuseelands. Die Stadtrechte wurden ihr am 31. Juli 1956 verliehen, sie ist benannt nach dem Christ College in Oxford. Mit vielen Gebäuden aus der Hand des Architekten Benjamin Mountfort im neugotischen Stil galt Christchurch immer als „englischste“ aller Städte in Neuseeland.

Zwei Ereignisse des 21. Jahrhundert haben die Stadt entscheidend in ihrer Entwicklung geprägt: die Erdbeben 2010 und 2011. Während beim ersten Beben (Stärke 7,1) nur einige Häuser beschädigt wurden, ereignete sich 2011 erneut ein schweres Erdbeben (Stärke 6,3) mit einem Epizentrum nur zehn Kilometer von der Innenstadt entfernt. Gebäude stürzten ein, darunter zahlreiche denkmalgeschützte Bauten, und 185 Menschen kamen ums Leben. Ein Einschnitt, der Christchurch und seine Bewohner verändert hat. Nach starken Abwanderungen in der ersten Zeit kommt langsam wieder Leben in die Stadt.

Die „Bridge of Remembrance“ (Brücke des Gedenkens) erinnert als Kriegerdenkmal an die neuseeländischen Kriegsopfer des Ersten Weltkrieges sowie den Teilnehmern der beiden Weltkriege und späteren Konflikten. Heute sitzen davor auch schon mal die Bauarbeiter in ihren leuchtenden Westen, von denen gerade so viele in der Stadt zu sehen sind.

Die Stadt wirkt einige Jahre danach keinesfalls mehr traurig – wie viele meinen –, sondern eher inspiriert und hoffnungsvoll. Neue Chancen werden gesehen und genutzt, im Großen wie im Kleinen. Initiativen, Pop-Up-Cafés und Shops in Containern machen Christchurch wieder bunt und lebendig.

Einige der Kunstwerke im Stadtraum sind – wie diese Installation – zur Interaktion gedacht. Ziemlich cool!

C1 Espresso
Corner High & Tuam Streets
täglich von 7.00 bis 22.00 Uhr geöffnet
www.c1espresso.co.nz

Mit viel Liebe zum Detail begeistert C1 Espresso seit über 20 Jahren die Bewohner von Christchurch. 2012 im alten High Street Post Office wiedereröffnet, ist es eine gute Adresse für Kaffee (der normale ist recht sauer, daher vielleicht mal den „Concentrated Mexican Coffee“ probieren) und frisches Essen (z.B. das „Pneumatic Menu“ von 15.00 bis 19.00 Uhr). Die Atmosphäre ist wirklich besonders und es gibt viele Details zu entdecken!

01 - Botanic Gardens

Seit nunmehr über 150 Jahren sind die Christchurch Botanic Gardens das grüne Herz der Stadt. 1863 wurde die erste englische Eiche gepflanzt. Seitdem haben sich die zehn Gärten kontinuierlich zu einem 21 Hektar großen Gebiet weiterentwickelt. Darunter auch ein üppiger Rosengarten und ein Konservatorium. Ein Streifzug über das Gelände lohnt sich. Es gibt viele tolle Picknickplätze für sonnige Tage.

Christchurch Botanic Gardens 
Der Eintritt zu allen Gärten ist frei.

täglich ab 7.00 Uhr geöffnet,
das Visitor Centre von 8.30 bis 17 Uhr

02 - Canterbury Museum

Einen Besuch im Canterbury Museum sollte man sich nicht entgehen lassen. Seit 1870 ist es in einem Steinbau untergebracht, der immer wieder erweitert und modernisiert wurde. Das Museum zeigt Ausstellungen zur Antarktis, zeitgenössischen Kostümen, der neuseeländischen Vogelwelt, der konfliktreichen Geschichte der Māori und der Europäer in der Region sowie der Naturgeschichte Canterburys. Darunter u.a. die Nachbildung einer alten Straße mit Geschäften und Funktionen. Interessante Wechselaustellungen komplettieren das wirklich spannende Programm des Museums. Wir waren (beide!) begeistert.

Canterbury Museum
Rolleston Avenue
www.canterburymuseum.com

 

täglich von 9.00 bis 17.00 Uhr geöffnet (April – Sept.)
bzw. von 9.00 bis 17.30 Uhr (Oct. – March)
Der Eintritt ist frei, nur für Discovery kostet er NZ$ 2,00.

03 - Christchurch Art Gallery

Die Art Gallery selbst ist schon von außen mit ihrer auffälligen Glasfassade ein modernes Gebäude. Sie ersetzte 2003 als wichtigster öffentlicher Raum für Kunst in Christchurch die Robert McDougall Art Gallery (1932 bis 2002). Ihre Māori-Bezeichnung Te Puna o Waiwhetu beschreibt die artesische Quelle unter dem Gebäude sowie den Wert für die Gesellschaft, den das Museum einnimmt. Ein 1998 ausgerufener Wettbewerb, für den ausschließlich neuseeländische Architekten zugelassen waren, ließ an der Ecke Worcester Boulevard und Montreal Street einen modernen Bau mit Glas-Metall-Fassade entstehen. Diese greift die Form des River Avon auf, der sich durch Christchurch schlängelt. Neun Ausstellungsräume, eine Bibliothek, ein Auditorium, mehrere Studienräume, ein Restaurant und ein kleiner (sehr hübscher) Shop sind auf zwei Stockwerken untergebracht, die vom Foyer aus über einen großen Treppenaufgang verbunden sind. Dort werden Ausstellungen neuseeländischer und internationaler Künstler gezeigt.

Unter dem Museum sieht es auch ein bisschen nach Kunst aus: Die 140 bunten Säulen sind jedoch eine Art Stoßdämpfer, auf denen das Gebäude während eines erneuten Erdbebens schweben würde und somit weit weniger davon betroffen ist.

Christchurch Art Gallery Te Puna o Waiwhetu
Worcester Boulevard & Montreal Street
www.christchurchartgallery.org.nz

täglich von 10.00 bis 17.00 Uhr geöffnet,
mittwochs „Late night“ bis 21.00 Uhr
Der Eintritt zu allen Ausstellungen ist frei.

04 - Cathedral Square

Während in der Innenstadt viele Gebäude abgerissen werden mussten, ist der Cathedral Square zugänglich und ein zentraler Punkt in Christchurch. Hier fährt die Heritage Tram (historischen Straßenbahn) ab und jeden Freitag bauen viele Händler ihre Stände für den Friday Street Food Market auf. Das ehemalige Main Post Office (darin war zuvor das Tourismusbüro untergebracht) zeigt die ehemalige Pracht der vielen historischen Gebäude der Stadt.

Ein moderner Hingucker auf dem Cathedral Square ist The Chalice, auch Millennium Cone (Jahrtausendkelch) genannt, die sich aus 42 Blättern heimischer Baum- und Pflanzenarten zusammensetzt. Die 18 Meter hohe, kegelförmige Skulptur wurde vom neuseeländischen Künstler Neil Dawson entworfen.

Wer eine kleine Zeitreise machen möchte, der fährt mit der Heritage Tram, deren Geschichte bereits 1880 begann. Zurzeit wird jedoch nur ein Teil der ursprünglichen Strecke befahren.

Die ChristChurch Cathedral war der Mittelpunkt von Christchurch und ist es eigentlich bis heute, auch wenn die Kathedrale 2011 irreparabel durch das Erdbeben beschädigt wurde. Ohne Turm und immer noch zu einer Seite hin offen, nur gestützt von einigen Metallstreben, steht sie wie ein Mahnmal mitten in der Stadt. Schade, dass dem beeindruckenden Gebäude aus dem 19. Jahrhundert nun der Abriss droht, hat es doch schon so viele kleine und große Beben miterlebt und überstanden. Vorübergehender Ersatz für die ChristChurch Cathedral ist die Cardboard oder auch Transitional Cathedral, die etwas weiter südöstlich ihren Platz gefunden hat.

Friday Street Food Market
Cathedral Square

Jeden Freitag ab 11.00 Uhr kann man an kleinen Ständen und Food Trucks leckeres Essen kaufen und so in kurzer Zeit eine (kulinarische) Reise um die ganze Welt machen.

05 - New Regent Street

Die New Regent Street ist ein privates Bauprojekt der 1930er Jahre. 40 Geschäfte wurden im spanischen Missionsstil errichtet. Die Idee gilt als Vorläufer der modernen Shoppingmall. Seit 1994 ist die Straße Fußgängern vorenthalten, nur die Heritage Tram (historische Straßenbahn) fährt zwischen den pastellfarbenen Häuschen hindurch. Hier macht Bummeln gute Laune!

Mrs Higgins Oven Fresh Cookies
10 New Regent Street

In dem kleinen Laden gibt es leckere frische Cookies und Muffins. Wer mehr kauft bekommt gute Angebote 😉

06 - Family Playground

Der moderne Abenteuerspielplatz ist nicht nur was für die Kleinen, sondern macht auch älteren Generationen noch Spaß. Er ist benannt nach der bekannten einheimischen Autorin Margaret Mahy. Vier Zonen repräsentieren Insel, Wald, Sumpfgebiet und Prärie und warten mit kreativen, abwechslungsreichen Spielgeräten auf. Hier erwacht in jedem das innere Kind!

Margaret Mahy Family Playground
Manchester & Armagh Streets

07 - Cardboard Cathedral

Die anglikanische Cardboard Cathedral (Papp-Kathedrale) wurde 2013 in Christchurch eröffnet. Der provisorische Bau aus 96 Kartonagenröhren und dicken Holzbalken ersetzte die 2011 durch das Erdbeben zerstörte ChristChurch Cathedral. Architekt Shigeru Ban aus Japan machte den Entwurf – der angeblich von der alten Kathedrale inspiriert wurde – kostenlos. Dessen Umsetzung kostete am Ende 5,9 Millionen NZ-Dollar (ca. 3,7 Millionen Euro) und war zunächst umstritten. Mittlerweile allerdings begeistert das Gebäude Bewohner und Besucher gleichermaßen. Es lohnt nicht nur ein Blick nach oben auf die bunten Glasfenster und ins Innere, sondern auch auf die gegenüberliegende Straßenseite. Dort wurde spiegelverkehrt ein Kirchturm aus Bändern aufgespannt.

Cardboard Cathedral
234 Hereford Street
www.cardboardcathedral.org.nz

08 - 185 Chairs

An der Ecke Cashel/Madras Street stehen 185 Empty White Chairs, 185 leere weiße Stühle. Alle sind verschieden, jeder einzelne steht für ein (verlorenes) Menschenleben. 185 Stühle für ebenso viele Tote aufgrund des tragischen Erdbebens von 2011. Wo früher die St Pauls Trinity Pacific Presbyterian Church stand, reflektiert die Installation von Peter Majendie seit 2012 über den Verlust, die Vergänglichkeit des Lebens und den Lebenskreislauf an sich. Jeder kann hier einen Stuhl finden, der zu ihm passt, mit dem er sich identifizieren kann. An diesem Ort können Menschen sich erinnern und inspirieren lassen. Er ist bewegend und macht nachdenklich, trägt aber mit Sicherheit auch ein Stück weit zur Heilung von Trauer und Traumata der Bewohner Christchurchs bei.

185 Empty White Chairs
Cashel & Madras Street
www.185chairs.co.nz

09 - Re:START City Mall

Die Containerstadt Re:START City Mall entstand aus der Not, aber auch aus der Hoffnung heraus. Sie wollte der Innenstadt von Christchurch nach dem folgenschweren Erdbeben 2011 etwas Farbe verleihen. Immer mehr bunte Überseecontainer fügten sich zu einem lebendigen Ganzen zusammen, das Platz für Geschäfte, Kunst und Essen bot. Einheimische wie Touristen fanden sich hier ein, um Mittagspause oder Einkaufsbummel zu machen.

Nun hat die Re:START City Mall zum 30. April 2017 ihre Tore geschlossen. Das bedeutet nicht das Ende der international bekannt geworden Ikone für Christchurch nach dem Beben, sondern einen neuen Start als Farmers Market. Das wird bestimmt auch schön!

re:START City Mall
(auch Infos zu Folgeprojekten)
www.restart.org.nz

10 - Victoria Street & Clocktowers

Die – aufgrund einiger Baumaßnahmen – nur knapp 800 Meter lange Victoria Street ist das Unterhaltungs-, Ausgeh- und Shoppingviertel von Christchurch. Zwischen das städtische Casino mischen sich Boutiquen und Kleidungsgeschäfte, schicke Restaurants, Bars und kleine Cafés.

An ihrem Anfang steht der Victoria Clock Tower (rechts). Der 30 Meter hohe Turm und die Jubilee Clock haben eine interessante Geschichte. 1860 kam der bei Benjamin Mountfort in Auftrag gegebene Uhrenturm, der dem Londoner Big Ben nachempfunden sein soll, in 147 Paketen aus England an und wurde temporär aufgestellt. Doch die Uhr selbst war zu schwer und wurde in einem Steinturm in der Armagh Street als erste „Stadtuhr“ installiert. Nach einer Einlagerung und Wiederinstallation an anderer Stelle wurde sie schließlich 1930 an ihren heutigen Ort in der Victoria Street verlegt. Beim Erdbeben 2011 wurde der Turm beschädigt, aber bis 2014 restauriert. Nur die dahinterliegenden Victoria Mansions zeigen noch immer alle Spuren des Erdbebens.

An der Ecke Madras Street / Oxford Terrace, wenige Meter entfernt, steht ein weiterer Uhrenturm. Der aus vulkanischem Stein bestehende Edmonds Clock Tower (links) wurde 1929 errichtet und war ein Geschenk des Geschäftsmannes Thomas Edmond an die Stadt. Daneben steht noch ein eher ungewöhnlicheres Objekt: eine massive, steinerne Telefonzelle.

Halbtagesausflug nach Lyttelton

Wem noch etwas Zeit bleibt, der kann zu den europäischen Anfängen von Christchurch zurückkehren. Zumindest im übertragenen Sinne.

Mit den First Four Ships der Canterbury Association (englische Vereinigung zur Umsetzung größerer Siedlungsvorhaben in Neuseeland) kamen Ende 1850 zahlreiche Europäer im Lyttelton Harbour an.

Von der Innenstadt aus sind das überschaubare, gemütliche Viertel und der Industriehafen gut mit dem Bus zu erreichen. Wo früher noch ein steiler Pfad, bekannt als Bridle Path (Zaum-Pfad), von der Küste über den Hügel Richtung Christchurch führte, wurde Anfang der 1960er Jahre ein Straßentunnel gebaut. Zwischen Lyttelton und Christchurch war bereits 1876 ein Eisenbahntunnel angelegt worden.

Der Hafen spielte übrigens nicht nur eine wichtige Rolle für den Warenverkehr von und nach Christchurch, sondern war ebenfalls Ausgangspunkt für die Antarktis-Expeditionen von Robert Falcon Scott und Ernest Shackleton. 

Den besten Blick auf die kleinen Häuser und die im Hafen liegenden Schiffe hat man, wenn man einen der Hügel hinaufsteigt. Ansonsten gibt es einige kleine Cafés auf der Hauptstraße, in denen man entspannt etwas trinken und essen kann.

Für die Aussicht von ganz oben kann man auch mit der Christchurch Gondola (28,00  NZ$, www.welcomeaboard.co.nzbis auf den Berg hinaufschweben. Dazu einfach vor Lyttelton auf der anderen Seite des Tunnels aussteigen.

Ein Kommentar bei „Christchurch – Phönix aus der Asche“

  1. Monika Lehnen sagt: Antworten

    Danke für diesen tollen Bericht – wobei mich die „185 white chairs“ schon sehr beeindruckt haben!!

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