Matamata/Hobbiton – Ein Besuch im Auenland

Es gibt vermutlich keinen perfekteren Ort als diese mehrere hundert Hektar saftig grünes Farmland bei Matamata, um einem kleinen, fiktiven Dorf namens Hobbiton (in deutsch auch Hobbingen genannt) Leben einzuhauchen. Kein Wunder also, dass Peter Jackson, der Regisseur der Filmreihe von Herr der Ringe und der Hobbit-Triologie, sich sofort in die hügelige Landschaft mit den friedlich grasenden Schafen verguckte, als er nach Drehorten in Neuseeland suchte. Rundherum quasi nichts, keine Häuser, keine Straßen.

So wurde aus einem kleinen Tal mit einigen Bäumen und einem See also Hobbiton. Sogar die große Pinie, der „Partybaum“, steht – ganz natürlich – auf einer Wiese, wie ihn sich Buchautor J.R.R. Tolkien einst erdacht hat. Schon verrückt!

In eine andere Welt eintauchen

Das Hobbiton Movie Set (Filmset) liegt etwa eine Stunde Fahrt (rund 70 Kilometer) nordöstlich von Rotorua entfernt. Man passiert kurz vorher den kleinen Ort Matamata, dann geht es mitten hinein in die tolle grüne Hügellandschaft. Diese gehört zum Farmland der Familie Alexander, die hier seit Generationen Schafe züchtet. 1998 klopfte dann Peter Jackson mit seinem Team an die Tür… und der Rest ist Geschichte.

Die ursprünglichen – und heute immer noch – Bewohner der grünen Wiesen: Schafe. Und davon tausende! Immer wieder entdeckt man sie zwischen dem saftigen Gras in der weiten Landschaft.

Zur weiteren Entwicklung aber doch noch etwas mehr: Die weitläufigen grünen Hügel der Alexander-Farm haben so viel Ähnlichkeit mit der von Tolkien als The Shire (Auenland) beschriebenen Landschaft und sind so unberührt, dass man sich leicht in andere Jahrhunderte zurückversetzt fühlt. Der Entstehung von Mittelerde stand nichts mehr im Weg.

Alles sollte möglichst echt und lebendig wirken. Die wichtigsten Elemente – der See, die weichen, grünen Hügel und die große Pinie – waren bereits vorhanden. So entstanden ab März 1999 innerhalb von neun Monaten rundherum 39 Hobbit Holes (Hobbithöhlen) und zahlreiche Zufahrtswege, die zum Teil sogar von der New Zealand Army befestigt wurden. Geheimhaltung war oberstes Gebot, auch während der folgenden dreimonatigen Dreharbeiten.

Selbstverständlich wurde das Land nach den Filmaufnahmen wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzt. Mit Ausnahme von einigen kleinen Hobbit Holes, die bis heute die grünen Hügel mit Farbtupfern versehen. 17 Fassaden konnte man bereits ab 2002 offiziell besichtigen.

2009 kam Peter Jackson mit seinem Team zurück, um auch die Hobbit-Triologie (nach dem Buch „Der kleine Hobbit“) zu verfilmen. 44 Fassaden von Hobbit Holes wurden dazu als permanente Strukturen aus Holz errichtet und die Gärten davor mit viel Liebe zum Detail hergerichtet.

Im Jahr 2012 eröffnete auch die Dorfkneipe The Green Dragon Inn seine Türen für Besucher. Dort endet nun jede Tour durchs Auenland mit einem kühlen, leckeren Bier. Verschiedene Sorten werden exklusiv für das Hobbiton Movie Set gebraut und können in sehr authentischem und gemütlichem Ambiente genossen werden.

Auf den Spuren von Bilbo Beutlin wandeln

Die Anreise ins Auenland kann mit dem eigenen Auto erfolgen, oder man schließt sich direkt einer Tour von Matamata oder Rotorua aus an. So haben wir es gemacht. Während der Fahrt gab es bereits ein paar Infos und kurze Filmauschnitte, damit man zuordnen kann, was man kurz darauf zu sehen bekommt. Da steigt auch gleich etwas die Vorfreude auf dieses kleine, bunte Wunderland!

Mit dem Bus (bzw. Auto) kommt man am Besucherzentrum des Hobbiton Movie Sets an. Von dort aus geht es einige Minuten durch die grünen Hügel. Ein Guide führt anschließend rund zwei Stunden über das etwa vier Hektar große Filmset.

Durch einen echten kleinen Obst- und Gemüsegarten geht es den Hügel hinauf Richtung Bag End (Beutelsend). Zahlreiche Hobbit Holes mit bunten Türen vermitteln den Eindruck, dass jederzeit ein kleiner Hobbit hinaustreten könnte, um seiner täglichen Arbeit nachzugehen oder die Besucher zu begrüßen. Doch die Türen sind (leider) nur Fassaden. Alle Innenaufnahmen wurden in den Studios in Wellington gedreht.

Dennoch gibt es viele kleine Details vor den Höhlen, die zum Beispiel zeigen, welchem Beruf der darin wohnende Hobbit nachgeht: da hängen an dem einen Dach getrocknete Fische, vor einer anderen Tür steht ein kleiner Käsestand oder einige Töpfe Honig. Die Fenster sind mit Gardinen ausgestattet, auf den Fensterbrettern steht Krimskrams. Da gibt es hölzerne Zäune, Vogelhäuser, Töpfe, Schubkarren und Kamine. Zwischendrin flattert kleine Hobbitwäsche im Wind. Sieht wirklich alles ziemlich echt aus. Und irgendwie ist es das ja auch.

Vor den bunten Türen der kleinen Höhlen kann man sich selbst auch mal wie ein Hobbit fühlen. Tatsächlich wurden alle Dinge in anderem Maßstab gebaut, damit Menschen daneben möglichst klein wirken.

Zu den bekanntesten Orten zählt sicher Bilbo Beutlins Höhle mit der gelben Tür und dem berühmten Schild mit der Aufschrift „no admittance – except for party business“. Direkt darüber wacht die alte Eiche über Beutelsend. Sie ist jedoch (im Gegensatz zum ersten Dreh) nicht echt. Ein riesiges Stahlgerüst wurde zu diesem sehr authentisch wirkenden Baum, der in mühevoller Arbeit mit künstlichen Blättern aus Taiwan versehen wurde.

Über die Festwiese mit dem Partybaum (die große Pinie) geht es über eine Brücke an der Mühle vorbei und danach endet die kurzweilige Tour auch schon im – wie im Film, also sehr authentischen – wuseligen The Green Dragon Inn mit einem Bier und Blick auf den kleinen See.

An diesem ehemaligen Filmset kann man Hobbiton sehen, fühlen, riechen und sogar schmecken. Zudem erfährt man einige spannende Geschichten und Details zu den Dreharbeiten.

Diese – vielleicht einmalige – Gelegenheit, ein vollständig erhaltenes Filmset zu besichtigen, sollte man sich nicht entgehen lassen. Vor allem, wenn es so wunderschön gelegen und liebevoll hergerichtet ist, wie Hobbiton. Zwar besuchen täglich noch hunderte andere Touristen den kleinen Ort, doch alles ist gut organisiert und man hat viele Gelegenheiten – auch ohne andere Leute drauf – Fotos zu machen und die Landschaft zu genießen. Das einzige Manko: der Besuch des Hobbiton Movie Sets ist nicht ganz günstig. Aber wann kommt man schon mal ins Auenland?!

Schreibe einen Kommentar